Freitag, 16. März 2012

Trinidad - North Bend: Rääge, rääge trööpfli...

es räägnet uf mis Heelmli, wänn's räägnet weerded d'Blüemli nass und aali Veelos uf de Strass... ... ... Dass der Wetterbericht Scheisse war, hatten wir gewusst, als wir von Trinidad losfuhren, und sieh da, genauso mies wie die Voraussage sah bzw. sieht auch die Wirklichkeit aus.

Als uns von unserer Gastgeberin Carol verabschiedeten (Carol, thank you very much for the cozy house and warm bed we could enjoy for the two nights!), nieselte es nur ganz leicht und ab und zu schien fast etwas blauer Himmel durch die Wolken. Dieses Nieseln verstärkte sich im Laufe des Morgens und als wir fanden, wir bräuchten eigentlich eine Pause und Futter, da hätten wir am liebsten ein Dach über dem Kopf gefunden. Das erste Kaffee-Schild, dem wir folgten, erwies sich als Niete, aber immerhin als interessante Niete. Auf der Wiese vor dem Haus stand nämlich eine grosse Herde Hirsche, die uns genauso neugierig betrachtete wie wir sie. Nach einer Weile schienen sie zur Erkenntnis gekommen zu sein, dass wir harmlos sein müssen, jedenfalls kamen einige der Tiere sogar noch näher heran um uns zu begutachten.

Neugierige Hirsche.

Da es dort aber weder Dach noch Kaffee gab pedalten wir halt noch über den nächsten Hügel bis Orick. In dem knapp 300 Seelen-Kaff fanden wir eine Art Tankstellen-Shop mit einem Tisch und Stühlen drin. Wir durften dort sogar unsere mitgebrachten Sachen essen, was sehr nett war. Im Laden drin war es schön warm und trocken, draussen kalt und nass. Ergo brauchten wir einiges an Überwindung, uns wieder auf die Velos zu schwingen und dem Wetter zu trotzen. Immerhin blies der Wind vom Süden her, das war das einzige Plus im Moment. Nach nur wenigen hundert Metern sah ich im Rückspiegel, dass Martina von der Fahrbahn abbog und bei einem verlassenen Haus unter einem Dach parkierte. Hm, que pasa? Ein Platten, natürlich und offensichtlich einer mit einem grösseren Loch, den ihr hinteres Rad stand schon mit den Felgen auf dem Boden. Platten flicken macht ja eh immer Spass, und im Regen erst recht. Das läppische Dächli, unter dem wir standen, bot eher schlechten als rechten Schutz gegen den Regen, den der Wind locker um das Hinternis herum blies. Bääähhh!

Wieder unterwegs. Und mit der Zeit liess der Regen immer mehr nach bis er irgendwann ganz aufhörte. Die Sonne gab ihr Bestes und drückte ein paar Mal fast durch. Sie schaffte es nicht wirklich aber es blieb immerhin trocken. Wir mussten wieder einmal über einen Hügel und diesmal sogar über einen richtig hohen, so um die 1'000 Fuss, also fast 305 m hoch. Mhm, schono fett! Alles im Wald, das war hübsch. Hier wuchsen nicht nur alte, ehrwürdige Redwoods, zwischendurch hatte es auch Gruppen von kleineren, moos- und farnbewachsenen Bäumen, die etwas hellgrüne Abwechslung in die dunklen Riesen brachten. Mühsam war nur der recht starke Verkehr mit vielen Lastwagen und Pick-ups, die nicht viel Lust hatten, wegen lästigen Cyclists gross auszuweichen. Die Abfahrt führte uns hinunter an den Klamath River, dessen Brücke von zwei goldenen Bären, den Symbolen des Staates Kalifornien, bewacht wird. Das Dorf Klamath befindet sich im Reservat der Yurok Indianer, von denen im Ort selber aber wenig zu sehen war (oder sie nicht zu erkennen). Wir setzten uns beim Community Center an einen Tisch, assen Zmittag und hofften auf jemanden, der Mittleid mit uns hatte und uns einen trockenen Schlafplatz anbieten könnte.

Bemooste Bäume inmitten der Redwoods.
Grizzlies bewachen Brücke.

Die Strategie ging nicht auf und so mussten wir weiterfahren auf der Suche nach einem Campingplatz. Davon gab es zwar grundsätzlich jede Menge in der Region, "Campground" heisst hier aber erstens nicht, dass auch Zelte erlaubt sind, da deren Zielpublikum Wohnmobile und -wagen sind, und zweitens sind im Moment auch viele geschlossen. Oder es funktionieren die Klos gerade nicht, oder wegen Nässe und Schmutz ist zelten Jahreszeit im Winter nicht erlaubt. Nicht einfach also, unser Unternehmen. Es gelang uns dann aber, die Besitzerin des Mystic Forest RV Resorts umzustimmen und uns eine Ausnahmebewilligung zum Zelt aufstellen zu geben (72.33 km in 4:40 Stunden). Wir versprachen im Gegenzug, unsere Schuhe jeweils gut abzuputzen, bevor wir ins Dusch- und Toilettengebäude eintraten. Für $ 18 durften wir uns also in den Wald verkriechen, wo es anscheinend Füchse, Waschbären und richtige Bären gab, irgendwelche Boxen zur sicheren Foodaufbewahrung waren aber keine vorhanden. Wir durften unsere Sachen in der Laudry unterbringen, gerade am Weg lag die aber natürlich auch nicht. Und das Wasser aus dem Hahn wollten wir nicht trinken, da immer mal wieder rostrote Schwaden rauskamen.

Die Velos übernachten im Baum.

Alles in allem war der Ort aber hübsch, zwar alles nass, aber was soll‘s. Erst in der Nacht öffnet der Himmel seine Schleusen wieder und zwar so heftig, dass man im Zelt wegen dem Krach kaum mehr schlafen konnte. Es regnete die ganze Nacht durch, liess aber am Morgen leicht nach. Trotzdem mussten wir im Regen zusammenpacken und zwischendruch attackierte uns sogar mal ein kurzer Hagelschauer. Im Laufe des Morgens liessen alle möglichen Niederschläge aber weiter nach und der Aufstieg auf den Crescent City Hill, unseren letzten Hügel in Kalifornien, verlief ohne Störungen, abgesehen, auch hier, vom vielen Verkehr. Dieses Bergli hatte drei „Gipfel“, der höchste davon um die 1'200 f, was ganzen 365 m entspricht. Es regnete nicht nur nicht mehr, ab und zu sah man einen richtigen Sonnenstrahl zwischen den Stämmen und wir hofften, dass das dauern würde. Die Abfahrt nach Crescent City war fetzig und teilweise wirklich in der Sonne, was kaum zu glauben war. In der Stadt stoppten wir bei einer Tankstelle, hängten feuchte/nasse Sachen wie Zelt, Packtowls etc. raus und genossen einn süssen, heissen Kaffee. Dabei beobachteten wir die dunklen Wolken, die von Norden her drohten und als die ersten Tropfen fielen, packten wir hektisch alles wieder ein und zügelten die Velos unters Dach. Die Wolken schickten aber in erster Linie nicht Regen, sondern eine massive Hagelfront, zwar nicht mit extrem grossen, dafür eckigen und zackigen Körnern. Nicht freundlich.

Nach ein paar Minuten war der Spuk vorbei und nach einigen Minuten auch der dem Hagel folgende Regen. Uns blieben noch gute 50 km abzustrampeln und beschlossen, nun Gas zu geben. Es war platt und wir hatten sogar meist Rückenwind. So kamen wir extrem zügig vorwärts, wir stoppten nur mal kurz zum Mittagessen, dann pedalten wir weiter. Wir fuhren durch Farmland, gross was Spezielles zu sehen gab es also nicht, wir mussten nur die Wolken im Auge behalten. Dass wir Kalifornien verlassen hatten, bemerkten wir erst, als ein Schild uns in Oregon willkommen hiess. Erwartungsgemäss änderte sich äusserlich vorerst aber nichts.

Welcome to Oregon.

In Brookings machten wir nur einen ganz kurzen Futter-Kauf-Halt, dann ging es weiter zum Harris Beach State Park. Der war offen und hatte Hiker/Biker Sites. Grosszügig und gepflegt sogar und mit stabilen Holzboxen. Die sanitären Anlagen waren recht luxuriös, bei den Toiletten gab es warmes Wasser, Seife und Papiertücher uns sogar gutes Klopapier. Die Duschen waren gratis und schön warm. Cool, wenn das der Standard ist, den Oregon setzt, dann können die kalifornischen State Parks einpacken. Offensichtlich muss Oregon nicht sparen.

Die H/B Sites lagen im Wald, viel Sonne bekamen wir also nicht mehr zu spüren, wir hängten das immer noch nasse Zelt jedoch eine Weile in den Wind. Die Luft muss aber recht feucht gewesen sein, das Teil trocknete nämlich kaum. Der Abend blieb aber angenehm, kälter zwar als der Vorhergehende, vor allem wegen dem Wind, aber kein Regen. Man sah sogar ein paar wenige Sterne. Nach dem Abendessen verjagten uns dann allerdings doch ein paar Tropfen, später pisste es ein paar Minuten so richtig, dann war wieder fertig. Auch die Nacht war mehrheitlich trocken, auch am Morgen konnten wir in aller Ruhe zusammenpacken. Wegen der Umstellung auf Sommerzeit starteten wir nun erst um 9.15 Uhr.

Wie wir schon in der Nacht gehört hatten, und wie auch der Wetterbericht angesagt hatte, windete es an jenem Tag ganz schön heftig. Zum Glück vom Süden her, mit solchem Nordwind hätten wir nirgendwohin wollen müssen. So aber ging das gar nicht so schlecht und der Nieselregen war am früheren Morgen so fein, dass wir kaum nass wurden. Die Küste war hügelig und, so muss man annehmen, sehr schön. Es gab nämlich jede Menge Vista Points, die wir jedoch ganz und gar verschmähten. Wir wollten nur vorwärtskommen und ausser grauem Himmel und grauem Meer hätte es eh kaum was zu sehen gegeben. Wir liessen uns lieber vom Wind die Steigungen hinauftreiben, was echt ein geiles Feeling war. So liesse sich schon velölen. Als die Nieselei stärker wurde, zogen wir unsere Gummihandschuhe (der Rest der Regenausrüstung war eh seit Beginn montiert) an, die sich aber wie immer schlecht zu Nasenputzen unterwegs eigneten. Was sich bei Nasenbluten ganz besonders bemerkbar machte. Pfuiii!

Die Sonne kämpft, gewinnt aber nicht.

Yep, im Wind segeln machte Spass, war aber manchmal auch etwas tricky. Im Gegensatz zu patagonischem Dauergebläse war das hier ein sehr böiger Sturm, der mich einmal fast von der Strasse schickte. Das geschah aber in einer Steigung und ich war nur ganz langsam unterwegs und konnte so nach wenigen Zentimetern im Kies bremsen, aber auch während schnellen Abfahrten musste man immer ganz besonders aufpassen um nicht entweder in die Leitplanken oder in die Fahrbahn geblasen zu werden. Die Trucks, die konsequent ohne Licht fuhren, hätten ganz bestimmt nicht ausweichen können.

Kurz nach Mittag kamen wir in Gold Beach an, wo wir versuchten, Steve anzurufen. Wir hatten ihn in Matzatlan getroffen und er hatte uns angeboten, ein paar Nächte bei ihm in North Bend zu wohnen, falls wir einen Ort zum trocken brauchten. Wenn es nach Fahrplan ging, sollten wir in zwei Tagen dort ankommen. Der stärker werdende Regen und Sturm änderte diesen Plan dann aber und als wir sahen, dass wir hier für $ 45 ein Motelzimmer mit einem King Size-Bett kriegen konnten, brauchte es nicht mehr viel Überzeugung. Wir waren kalt und nass, dort drinnen war es warm und trocken, was will man mehr? Wir hatten da drin sogar ein Tischli und konnten gemütlich dem Gebrause und Getöse draussen zuschauen und dabei unsere eigene Heizung rauf- oder runterdrehen. Patty und Bob sei Dank.

Der Sturm fauchte die ganze Nacht hindurch und am Morgen erhielten wir einen Anruf von Steve, er komme etwas später, die Strassen in North Bend seien verschneit und er warte bis gepflügt werde. Hmm, ok, in dem Fall war das Unwetter so richtig ernsthaft gewesen. Etwa um halb zwölf kam unser Freund dann doch an, wir luden alles in seinen Van und los ging’s. Etwa 30 km weiter nördlich fuhren wir am Humbug Mountain State Park vorbei. Dort hätten wir tags zuvor ursprünglich hingewollt. Während wir in der Nacht froh gewesen waren, wegen dem Sturm im Hotelzimmer zu schlafen, so waren wir nun froh, nicht dort im Schnee zelten zu müssen. Das sah alles sehr nass und kalt aus. Dieser Anblick änderte sich bis North Bend nicht mehr. Es hatte überall mehr oder weniger viel Schnee, vielerorts war auch der Seitenstreifen noch weiss, was zum Velo fahren unpraktisch gewesen wäre.

Der Schnee begleitete uns bis vor die Haustür, und bis wir das Auto ausgeladen hatten, waren unsere Schuhe nass vom Matsch. Genauso wie zuhause um diese Jahreszeit, wenn es geschneit hat. Absolut widerlich. Die Eiskügelis, die diesmal vom Himmel geschmissen wurden, waren dann auch immerhin Hagel Nr. 3 innerhalb von zwei Tagen. Steves Haus ist keine Luxusunterkunft, aber trocken, warm und gemütlich. Man kann dem fiesen Wetter draussen zuschauen ohne zu frieren oder nass zu werden. Es ist recht klein, über hundert Jahre alt und einigermassen renovationsbedürftig. Das ist auch genau das, was geplant ist, aber nocht etwas Zeit in Anspruch nehmen wird. Wir dürfen hier so lange bleiben, wie wir wollen, was uns Zeit lässt, die Planung unseres Vordringens in den Norden zu reevaluieren. Der Wetterbericht ist noch für einige Tage lang mies, verbessert sich aber ab dem Wochenende von „Rain“ zu „Showers“, was schon ein Fortschritt ist.

Unser Zuhause in North Bend.
Schnee, Regen, Wind und wir mittendrin.

Während ich diese Zeilen schreibe, giesst es draussen, als sei es das erklärte Ziel, die Westküste unter Wasser zu setzen. Der Wetterbericht für die kommenden Tage (Bild oben) ist ähnlich katastrophal, Regen, Schnee, im besten Fall nur Schauer, dazu immer mal wieder Sturm. Wir überlegen uns nun, hier eine Höhle zu graben und einen Monat Winterschlaf zu halten.

Samstag, 10. März 2012

San Francisco - Trinidad: Riesig, gigantisch, Redwoods

Wir fuhren an einem Sonntag Morgen um etwa 8.15 Uhr weiter. Laura hatte uns den Weg zur Golden Gate Bridge erklärt und wir hatten so keine Probleme, diese "Historical Landmark" zu finden. Logischerweise waren wir nicht die einzigen, sprich, die Brücke war ziemlich stark frequentiert. Neben den sechs Autospuren hat es praktischerweise eine abgetrennte Spur für Fussgänger und Velofahrer, was man aber immer noch als nicht optimal bezeichnen könnte. An Wochenenden sind unzählige Rennvelofahrer unterwegs, die ernsthaft zu trainieren beabsichtigen und es überhaupt nicht witzig finden, wenn ihre Trainingsstrecke durch fotografierende Touristen versperrt ist. Dass so eine Brücke eben keine Rennbahn ist, scheint für einige nur schwer zu akzeptieren.

Golden Gate Bridge, National Historical Landmark.
Separate Velo- und Fussgänger-Spur

Bald nach der Brücke kamen wir durch das herzige Städtchen Sausalito, überquerten einen Hügel, wo am helllichten Tag Rehe in Sichtweite von Wohnhäusern weideten, dann hatten wir diese äusserst dicht bevölkerte Regionen verlassen. Wir kamen durch einige weitere Dörfer und am frühen Nachmittag hatten wir schon das Ziel des Tages, den Samuel P. Tayler State Park erreicht. Mit den grossen, majestätischen Redwood-Bäumen hatte dieser Park gewisse Ähnlichkeiten mit dem Pfeiffer Big Sur SP. Ausser, dass einiges recht baufällig wirkte, Zäune zusammengebrochen und, zumindest in der Hiker/Biker Site, ein Tisch abgebrochen war. Wir hatten ausserdem Glück, dass wir am Wochenende dort vorbeikamen, unter der Woche ist der Park aus Spargründen geschlossen. In der Feuertonne fanden wir noch heisse Gluten vor und verbrachten so den Nachmittag damit, mit unserem kleinen, privaten Feuer zu spielen.

Redwood-Wald.

Die Nacht war mir nicht als ungwöhnlich kalt aufgefallen, der Morgen war es jedoch sehr. Es war zwar nicht das erste Mal, dass wir klamme Finger hatten bis die Velos startbereit waren, so sehr hatten meine Zehen und Finger aber noch nie geschmerzt, das war ganz und gar nicht mehr witzig. Von dem Abschnitt hier haben wir eine Karte der Adventure Cycling Association und da wir die Beschreibung aus dem Buch nicht immer toll finden, dachten wir, wir könnten nun mal nach dieser neuen Karte fahren. Irgendwo müssen wir aber eine Abzweigung verpasst haben, jedenfalls drehten wir eine grosse (äusserst hübsche) Runde, bis wir den Weg auf den HWY 1 wiederfanden. Die zusätzlichen rund 15 km wären ja noch gegangen, mehr in die Beine gefahren waren die vielen steilen Hügel, die wir in dieser Schweiz-ähnlichen Region überqueren mussten.

Wieder zurück auf der Hauptstrasse, änderte sich landschaftlich eigentlich wenig. Links und rechts befanden sich Höfe, es grasten Rinder, mal schwarze Angus, mal gefleckte Milchkühe, zwischendurch gab es auch mal einige Schafe und Schweine. Was sich hingegen sehr wohl geändert hatte, als wir aus den Hügeln rausgekommen waren, war der Wind. Zuvor praktisch nicht-existent, war er nun sehr böig. Meist von vorne, dann von links, mal von rechts und zu unserer Überraschung sogar mal kurz von hinten. Faszinierend, wie schnell man da plötzlich vorwärts kommt. Wegen der Zusatz-Runde wurde der Tag dann aber doch recht lang, und während man dem Höhenprofil im Buch durchaus einige Hügel entnehmen konnte, so war das Auf und Ab doch irgendwie intensiver als wir erwartet hatten (oder wir waren schon müde wegen den Zusatz-Hügeln am Morgen).

Irgendwann kamen wir aber doch durch das Dorf Bodega Bay und nur wenige Kilometer danach wies ein Schild auf den Bodega Dunes State Park hin (82.59 km, 6:27 Stunden). Wie alle Hiker/Biker Sites in letzter Zeit kostete auch hier das Zelten für Ciclistas $ 5 pro Person. Unpraktisch war aber der sandige Boden, kombiniert mit Wind, und nicht alle unserer Heringe hätten einer plötzlichen Böe standgehalten. Mehr als über die Heringe waren wir allerdings über die Äste besorgt, die über unserem Zelt gierten und knarrten. Auch in diesem Park waren wieder einmal die Folgen der Wirtschaftskriese zu sehen. In den Klos gab es zwar noch jene Blechboxen für Papiertücher (zum Hände trocknen), die waren jedoch leer und hatten einen Hinweis draufgeklebt, dass wegen staatsweiten Budgekürzungen keine Papiertücher mehr zur Verfügung gestellt werden können. Interessanterweise waren dafür die heissen Duschen gratis, was wir natürlich gnadenlos ausnutzten.

Yep, Kalifornien muss sparen.

Es ist uns schliesslich kein einziger Ast auf den Kopf gefallen und es hat uns immer noch kein Waschbär ein Loch in die Schlafmatten gebissen. Ausserdem war der nächste Morgen nicht so arschkalt, der Start darum bedeutend einfacher. Die ersten rund 16 km bis Jenner waren verhältnismässig flach, dann stellte sich uns wieder ein höherer Hügel in den Weg. Das Positive daran war, dass wir dort im Windschatten des Berges den Hang hochkrochen und so nicht vom kalten Gegengebläse belästigt wurden, das während unserer Pause seinen Arbeitstag begonnen hatte. Das änderte sich natürlich blitzartig als wir den höchsten Punkt erreichten. Schnell wurde die Abfahrt nur, weil sie eben auch ganz schön steil war. Damit lag die eine lange Steigung zwar hinter uns, die dutzenden kurzen, steilen Flussbetten nagten dann aber auch ganz schön an unserem Durschnittstempo und unseren Nerven. Wir wussten, dass auf Mittwoch Regen angesagt war und die graue Wolkendecke machte klar, dass evtl. auch schon der Dienstag Nachmittag/Abend feucht werden könnte. Solange wir unterwegs waren, tropfte es auch ein paar Mal, so richtig zu regnen begann es jedoch nicht. Und: Für einmal hatten wir Rückenwind. Und diesmal nicht nur so ein schwaches Windli, dass man nur bemerkt, wenn man ein Tüchlein in die Luft hält, sondern einen ausgewachsenen Wind, der uns spürbar vorwärts schob.

Somit erreichten wir den Gualala Point Regional Park schon um 16 Uhr (76.85 km in 5:25 Stunden). Beim Eingang stand nichts von Hiker/Biker und für eine reguläre Site wurden $ 28 verlangt. Hä, wie bitte??? Da aber auch stand, ein Ranger würde vorbeikommen und einziehen, entschlossen wir uns, es daraufan kommen zu lassen. Im Park selber fanden wir dann aber Info zu Hiker/Biker und die dort erwähnten $ 5 tönten schon massiv besser. Auch dieser Park befand sich im Wald, teilweise mit grossen Redwoods oder auch kleineren, vielstämmigen Bäumen. Unter diesen eher buschartigen Bäumen waren auch die Velosites platziert, leider stellte sich heraus, dass diese Bäume viel regendurchlässiger waren als die Redwoods und am späteren Nachmittag begann es so zu pissen, dass wir zum Abendessen ins Duschhaus flohen. 

Es regnete auch fast die ganze Nacht hindurch und auch am Morgen goss es fröhlich weiter. Die Aussicht auf zusammenpacken im Regen ödete uns extrem an. Das Zelt pflutschnass, die Schlafsäcke ziemlich feucht und überhaupt und sowieso. So schliefen wir eben aus und krochen erst etwa um halb zehn während einer Regenpause aus dem Zelt. Interessanterweise entdeckten wir vor dem Innenzelt Fussspuren auf dem Footprint, sprich irgend so ein Vieh, vermutlich ja ein Racoon, war in unserem Zelt herumspaziert, hat aber offensichtlich kein Futter gefunden (weil das alles in der Holzbox eingeschlossen war). Der Fund machte aber klar, dass die Typen in Zelte eindringen können ohne, dass Leichtschläfer wie Martina dies bemerken. Da es trocken blieb, gingen wir zu Fuss nach Gualala um einzukaufen und es uns in einem Café bequem zu machen. Drinnen zu sitzen und dem Regen draussen zuzuschauen ist schon viel spassiger als im engen, kalten Zelt zu hocken und zu hoffen, irgendwann wieder raus zu können ohne nass zu werden.

Buschiger Wald.
Fremder Fussabdruck im Zelt.

Irgendwann mussten wir aber natürlich zurück und schafften das sogar ohne weitere Schauer. Den ganzen Abend über war alles ok und wir freuten uns schon über ein annähernd trockenes Zelt als es urplötzlich wieder wie aus allen Kübeln goss. Immerhin nur kurz, dann waren wieder Mond und Sterne zu sehen. In der Nacht hatten wir diesbezüglich Ruhe, Martina weckte mich aber kurz vor 2 Uhr und deutete auf die Waschbären, die vor unserer Holzbox sassen, mit irgendeinem Papier am Boden und mit essen beschäftigt waren. Die Tür des Kastens war aber immer noch verschlossen (mit Vorhängeschloss), so waren wir nicht übermässig besorgt. Da ich aber eh kurz rausmussste, ging ich gleich nachschauen, wie es im Innern des Futterschrankes aussah. Nicht witzig. Wegen einer abgebrochenen Ecke war die Tür mit feinem Drahtgitter geflickt worden, das die Viecher jedoch kurzerhand zur Seite gebogen hatten. Insgesamt hatten sie zwei Säcke von Martinas Snacks ausgeräumt und ein 500 gr-Pack Teigwaren zerrupft. Von den Hörnlis waren einige am Waldboden verteilt, der Rest aber noch zu retten, die Snacks, die offensichtlich besser schmecken, waren ratzebutze weg. Die Waschbären waren auch nicht besonders scheu, klar verzogen sie sich ein paar Meter, als ich rauskam, aber sonderlich weit flohen sie nicht. Etwa eine Stunde später hörten wir recht lautes knacksen und knirschen und guckten wieder raus, um die die Situation zu checken. Da waren die drei Typen aber gemütlich am restliche Pasta vom Boden pflücken. Ich hoffte, dass ich unser Zeug weit genug vom Loch weggeräumt hatte, so dass es von aussen nicht mehr erreichbar war.

Sausieche, das isch oise Food!

Ja, hatte ich, am Morgen fehlte nichts zusätzlich. Das fanden wir aber erst mit etwas Verspätung heraus, da es ziemlich genau um 6.30 Uhr wieder zu regnen begann. Was wir so widerlich fanden, dass wir gleich eine Stunde länger liegen blieben. So mussten wir zwar alles feucht bis triefend nass zusammenpacken, später kam aber doch die Sonne raus und es wir wurden nicht weiter verpisst. Der Tag war nicht weiter speziell, es ging auf und ab, teilweise auch recht steil, sonst passierte nicht viel, selbstverständlich war es aber kalt und windig. Wir hatten geplant, im Manchester State Beach Park zu campen, fanden in Manchester (35.39 km, 2:48 Stunden) aber heraus, dass der geschlossen war. Blöd. Die nette Pöstlerin, die uns das mitteilte, war aber auch bei Warmshowers und lud uns kurzerhand zu sich ein. Da sie gute 20 Meilen weiter nördlich wohnte, war klar, dass wir da nicht mehr hinradeln konnten. Sie hatte aber ein grosses Auto und so gelang es uns, all unser Zeug inklusive Velos einzuladen. Da sie aber erst um 17 Uhr Arbeitsschluss hatte, hängten wir neben dem Postbüro in der Sonne herum, trockneten unsere Sachen und trafen zwei weitere Toureros, die zur Abwechslung einmal sehr gesprächig waren und sich lange mit uns unterhielten.

Auch unsere Warmshowers Host Lady war eine sehr interessante Person. Sie leitet eine kleine, private Feuerwehrstation, d.h. konkret, sie hat ein Feuerwehrauto in ihrer Garage. Ihr Vater hatte vor langer Zeit die Non-Profit-Organisation gegründet, die inzwischen aber auch mit Steuergeldern finanziert wird und Teil des offiziellen Feuerwehr-Netzes der Küste ist. Die Feuerwehrleute sind alles Freiwillige, Geld gibt es keines, dafür ab und zu Ausrüstung, die behalten werden kann, und ein jährliches Dankeschön-Essen. Diese Organisation der halbprivaten Milizfeuerwehr sei gar nicht so selten in abgelegenen Regionen und kleinen Dörfern. Und die Sache scheint gut zu funktionieren.

Wir hatten diesmal aber kein luxuriöses, warmes Zimmer, sondern die Wahl zwischen campen und in der Garage schlafen. Die Wiese wäre zwar zum zelten gut geeignet gewesen, auf Gras wird aber immer alles sehr nass, so entschieden wir uns für die Garage, die trocken aber kalt war. Morgens um 8 Uhr hatten wir gerade mal 5 °C, was es uns schwer machte, aus den Schlafsäcker rauszukriechen. Judy, die frei hatte, brachte uns aber eine Thermoskanne mit heissem Kaffee und plauderte eine Weile mit uns. So war es dann schon 10 Uhr bis wir wieder auf den Bicis sassen und noch immer war es schweinekalt. Gross anders als tags zuvor war es nicht, immer wieder führte die Strasse in ein Flussbett hinunter, wo wir wieder rauskrabbeln mussten. Und um 11 Uhr trafen wir wieder unseren treuen Lieblingsfeind, den Nordwind. Nicht superstark, aber lästig und kalt.

Wir schafften nur 42.9 km (in 3:03 Stunden), was aber durch die erschwindelte Distanz im Auto am Abend zuvor wettgemacht wurde. Im MacKerricher Beach SP ware die Hiker/Biker Site, wie in den meisten Campgrounds, etwas eine Abschaum-Site mit kaum ebenem Boden und Dauerschatten. Dazu waren die Duschen/Klos abgeschlossen und wir mussten erst jemanden auftreiben um aufzumachen. Ausser uns waren nur ganz wenige Leute da, was vielleicht etwas zu der komischen Atmosphäre beitrug. Die erste Person, mit der ich mich unterhielt, stellte sich aber als äusserst bemerkenswert heraus. Patty war ehemalige Hürdenspringerin, US Meisterin und Rekordhalterin und Teilnehmerin der Olympischen Spielen '68 in Mexiko City und '72 in München. Da sie von unserem Unternehmen genauso fasziniert war, wie wir von ihr, lud sie uns zu einem Glas Wein ein. Aus dem wurde dann kältebedingt eine heisse Schokolade, bzw. Tee, das grosse Feuer, das ihr Mann Bob gebaut hatte, half aber auch ganz schön kräftig. Wir hatten vom Camp Host (meistens Pensionäre, die dort gratis wohnen, beim Putzen und Unterhalt helfen und für Infos und allfällige Hilfe zuständig sind) einen Sack Feuerholz erhalten als "Entschädigung" für die verschlossenen Duschen, so wir hatten immerhin einen Haufen Holz beitragen können.

Dank sehr spannender Unterhaltung, gingen wir "spät", sprich 22 Uhr ins Bett, da wir am Morgen früh weiterfahren wollten. Patty's frühmorgendliche Einladung zum Kaffee konnten/wollten wir aber nicht ablehnen und aus der kurzen Verzögerung wurde ein sehr später Start. Aber in dem kleinen VW Bus war es so gemütlich und draussen so ungemütlich, wer würde da raus wollen? Da man aber um 12 Uhr auschecken muss, und auch Patty und Bob weiterwollten, war das dann der Auslöser, der uns einen Tritt in den Ar.... gab. Wir bereuten es aber überhaupt nicht, hier kurzerhand einen halben Tag "verhängt" zu haben, so nette und interessante Leute trifft man nicht überall, und Leute zu treffen ist immerhin eines der erklärten Ziele der Reise. Das Unglaublichste an diesen beiden war, dass sie, wohl aus Mitleid mit uns frierenden Chicas, uns kurzerhand 100 Dollar für ein Hotelzimmer geschenkt hatten!! Wir waren ganz schön platt und sind entschlossen, dieses Geld eines verpissten, miesen Tages gut zu investieren und unseren Sponsoren zu gedenken. Patty and Bob, thank you so much for your kindness and help, your incredible. Patty, I think I found that movie of the '68 Olympics.

Dass man an nur einem Nachmittag nicht mehr allzuweit kommt, ist klar. Dazu kam, dass ein relativ hoher (2'000 feet) Hügel anstand und so eigentlich nur der etwa 15 Meilen weit entfernte Westport State Beach Park blieb, was die Steigung auf den nächsten Tag verschob. Der Tag war wunderschön, kein Wind, es war warm und das Meer leuchtete türkisblau. Natürlich ging es konstant auf und ab, was aber ohne Gegenwind überhaupt nicht tragisch war. Wir kamen um 15 Uhr beim Westport Beach an (26.48 km, 1:55 Stunden) und fanden zu unserer Freude heraus, dass Biker dort nur $ 3 bezahlen müssen und sich eine Tent Site aussuchen können. Es gab auch keine Bäume, d.h. wir hatten zur Abwechslung einmal einen sonnigen Platz. Wunderbar. So sass ich also nichtsahnend am Tisch und schrieb in der Sonne Tagebuch, als ich aus der Richtung meines Velos plötzlich ein Peng! Pfschschscht! hörte. What the Fuck??? Dass da irgendwie ein Platten involviert war, war offensichtlich. Eine nähere Untersuchung des Mantels ergab aber nicht in erster Linie ein Loch im Schlauch sondern einen geplatzten Reifen. Explodiert, einfach so!!!

Gar nicht gut.

Das war nun natürlich nicht so praktisch. Wir befanden uns da ziemlich im Nirwana, nicht mal Westport wäre so richtig in Laufdistanz gewesen. Mit Hilfe des freundlichen Camp Hosts fand ich heraus, dass es in Fort Bragg, dem nächsten grösseren Ort, einen Veloladen gab, der aber, da gerade Samstag, tags darauf geschlossen sein würde. In Mendocino, nochmals etwa ein dutzend Meilen weiter, gab es ein Kanu- und Velovereih, der auch Radkomponenten verkauft und am Sonntag offen ist. Aber wie da hin kommen? Busse gibt es nur südlich von Fort Bragg, blieb also Hitchhiken. Das musste aber logischerweise bis Sonntag warten, am späteren Nachmittag eine Hitch-Tour zu unternehmen ist nicht erfolgversprechend. Der Reifen, der da so plötzlich seinen Geist aufgegeben hat, war übrigens nicht ein Schwalbe Mantel, sondern jener günstiger Ersatz, den ich in Guatemala gekauft hatte. Die etwa 5'500 bis 6'000 km haben Michelin hier offensichtlich überfordert.

Am Sonntag stellten wir uns dann gegen Mittag an die Strasse und hielten den Daumen raus. Viel Verkehr herrschte nicht, natürlich einerseits weil eben Sonntag war, andererseits vielleicht ach wegen dem schlechten Wetter, das allfällige Ausflügler eben nicht zum Rausgehen motivierte. Was soll man schon im Nebel wollen? Wir hatten trotzdem Glück und mussten nicht allzulange warten, bis uns ein junges Paar mitnahm. Sie war aus Mendocino und kannte den Laden, zu dem wir wollten, so blieb schon mal eine Sucherei erspart. Im Auto geht sowas bekanntlich zügig und nach etwa einer halben Stunde hatten wir den Big River überquert und gleich dahinter befand sich "Catch a Canoe", der Kanu- und Fahrradverleih, wo ich hoffte, einen neuen Reifen zu finden. Ich hatte vom Campground aus angerufen und erfahren, dass sie keine wirklich breiten Strassenreifen in der gesuchten Grösse hatten, ich also die Wahl zwischen Mountainbike- und schmalen Strassenmänteln hatte. So war das denn auch und nach einer Weile durch das Sortiment graben, fiel die Wahl auf einen 1.25 Inch Strassenreifen. Rick, der Inhaber des Ladens fand unsere Reise cool und gab mir das Teil und zwei neue Schläuche zu einem sehr guten Preis ab. Vielen Dank! Als ich die Sachen motierte, begutachtete ich das Loch noch von der Innenseite her. Der Reifen sah aus, als hatte er eine tiefe Schürfwunde, der Schlauch hatte ein Reisenloch, das aussah wie ein Explosionskrater. Dazwischen hatte ich ja ein spezielles Schutzband liegen gehabt, das sich auch noch brav und unversehrt dort befand, der explodierende Reifen hatte  sich trotzdem regelrecht ein Stück aus dem Schlauch herausgebissen. Keine Ahnung, wie er das gemacht hat, ohne das Schutzband auch nur anzukratzen.

Schutzband hat total versagt.

Rick war, wie schon ein Ranger beim Campground, besorgt, als er hörte, dass wir zum Zeltplatz zurückhitchen wollten. Er machte einige Telefonanrufe, fand aber niemanden, der uns nach Westport mitnehmen konnte. So bot er uns kurzerhand an, uns nach seinem Arbeitsschluss um 16 Uhr selber hinzufahren. Wieder einmal waren wir platt ab der Hilfsbereitschaft fremder Leute und nahmen das Angebot dankend an. So kamen wir zu einem Rücktransport und unser nette Helfer zur Gelegenheit, unsere Velos zu inspizieren. Die scheinen auf Fachleute hier eine spezielle Anziehungskraft auszuüben. Falls also jemand auf dieser Strecke einen Veloladen braucht, im Catch a Canoe gleich südlich von Mendocino arbeiten sehr nette Leute, die Touring Cyclists gerne helfen.

Nach diesem erfolgreichen Ausflug und mit einem neuen, wenn auch sehr schmalen, Reifen am Velo waren wir bereit zur Weiterfahrt. Auf uns wartete der höchste Hügel der gesamten Pacific Coast Bike Route, sage und schreibe 1950 Fuss, sprich 594 m hoch! Wow, da waren wir natürlich angemessen beeidruckt, vor allem, da davor noch ein weiteres Hügeli stand, so quasi zum aufwärmen. Obwohl der Morgen trotzt Nebel nicht so extrem kalt gewesen war, war aufwärmen wie immer willkommen. Freundlicherweise lag der Nebel auch nicht mehr unmittelbar auf dem Boden, so dass man zumindest sein direktes Umfeld erkennen konnte. Logischerweise fuhren wir jedoch in die graue Suppe hinauf, was im Wald wie so oft gar nicht so schlecht aussah. Die Abfahrt war dann aber unangenehm kalt und auch die Pause im nächsten Tal führte fast zu Schüttelfrost-Anfällen. Nach ein paar relativ flachen Kilometern begann dann aber jene ach so krasse Steigung und uns wurde bald wieder warm. Dieser zweite Hügel war nicht mehr so steil und für eine längere Auffahrt so richtig angenehm. Wir hatten auch bald blauen Himmel, sonnig war es aber nicht, wir befanden uns immerhin in dichtem Wald. Da solche Bergfahrten bekanntlich zu Hunger führen, setzten wir uns nach ein paar Stunden auf einen sonnigen Flecken neben der Strasse und genossen unsere Tortillas mit Bohnen und Tomaten. Kurz nachdem wir weitergefahren waren, stellten wir fest, dass wir eigentlich schon auf dem „Gipfel“ waren und endlich konnten wir durch ein Loch in den Bäumen hinaussehen. Was wir da erspähten, war nicht überraschend: Wald.

Wald, soweit das Auge reicht.
South Fork Eel River.

Die Abfahrt war dann, wie immer natürlich, viel zu kurz. In diesem Fall war sie aber tatsächlich nur etwa halb so lang wie der Aufstieg, dann hatten wir schon den South Fork Eel River erreicht, erkletterten ein kurzes Hügeli und fuhren dann am kleinen Dorf Legget vorbei und bogen auf den vielbefahrenen Highway/Freeway 101 ein. Kurz darauf kamen wir beim Standish-Hickey State Recreation Area an, wo wir eine grosszügige Hiker/Biker Site und warme Duschen fanden (43.31 km, 3:44 Stunden).

Wieder ein saukalter Morgen. So um die 0 bis 5°C, wie meistens, was nicht mehr als angenehme Radeltemperatur gelten kann. Ganz speziell intensiv empfinden das jeweils Zehen und Finger, die oft stundenlang kalt bleiben. Die paar läppischen Wellen im Boden wärmten nicht wirklich auf, der Kaffee, den wir bei einer Tankstelle auftreiben konnten, war zwar heiss und die Bank stand in der Sonne aber eben auch im Wind, was den Effekt so ziemlich zunichte machte. Die Landschaft war schön wenn die Strasse dem Eel River entlang führte, der mit den bewaldeten Hügel ringsum so ganz klischeehaft nach Nordamerika aussah.

In Garberville, einer kleineren Stadt, nutzten wir das Vorhandensein eines grossen Supermercados und stockten Futter auf. Als wir aber am späteren Vormittag in die Avenue of the Giants einbogen, wurde es so richtig interessant. Wie der Name der Strasse vermuten lässt, leben da extrem grosse Wesen, Bäume in diesem Fall. Die sind so richtig unglaublich hoch und dick und haben eine Ausstrahlung, die nur schwer zu beschreiben ist. Und wenn man sie da im Wald stehen sieht, fällt gar nicht wirklich auf, wie riesig sie sind, weil eben fast alle so sind. Aber Bäume, die fast so dick sind wie ein Auto lang ist, sind ganz einfach verdammt fett. Und gemäss Infoblatt werden sie bis zu 2‘000 Jahre alt. Kaum zu glauben, dass man es geschafft hat, einige dieser monströs grossen Pflanzen nicht zu fällen. Wir fragten uns, was wohl die Typen der Holzindustrie gedacht haben, als sie diese Bäume zum ersten Mal zu Gesicht bekommen hatten. Vermutlich dasselbe wie die Walmörder, als sie die Lagunen in Mexiko entdeckt hatten: Eine Goldgrube. Offenbar hatte aber irgend ein Genie die Idee, dass man nicht alle dieser alten Giganten töten soll und so stehen sie immer noch dort und Touris wie wir trauen ihren Augen kaum.

Sie sind unglaublich gross!

Unser nächste Zeltplatz, der Burlington Campground im Humbolt Redwood SP (74,73 km in 5:04 Stunden), befand sich selbstverständlich auch in den Redwoods. Nicht in einem Teil mit richtig alten Bäumen, schattig und kalt war es trotzdem. Aber auch als Biker durften wir uns irgend eine Site aussuchen und mussten trotzdem nur $ 5 pro Person bezahlen. Sehr sympatisch. Der darauffolgende Morgen wurde wieder kalt und ungemütlich, als wir wieder zwischen solchen unglaublichen, ja ehrfurcht gebietenden Bäumen hindurch pedalten, konnten wir aber nicht anders als nochmals zu stoppen und Fotoshootings zu veranstalten.

Sehr grosser Baum...
...der war mal noch viel grösser gewesen.

Nach etlichen Kilometern durch dichte Redwood-Wälder war Schluss mit Giants und wir mussten wieder auf den 101. Dort gab es zwar einen Seitenstreifen, der immerwährende laute Verkehr war aber trotzdem mühsam. Immerhin war es dort sonnig und somit etwas weniger kalt. Dafür auch nicht mehr spannend. Ab und zu mal ein mickriges Hügeli, sonst gab es nichts mehr zu sehen, nicht mal mehr den Eel River, der uns in den letzten Tagen begleitet hatte. Und selbstverständlich war es windig. Wie immer aus dem Norden/Nordwesten und wie immer kalt. Das Ziel des Tages war ein privater (und darum teurer) Campground nördlich der Stadt Eureka. Wenige Kilometer vor Eureka überholte uns aber ein lokaler Velofahrer, der kurz darauf anhielt, auf uns wartete und uns zu sich nach Hause einlud. Wer würde so etwas schon ausschlagen? Bestimmt nicht jemand, der nicht die geringste Lust hat, einen weiteren Abend frierend auf einem Zeltplatz zu verbringen. Also folgten wir Jay und landeten in einem hübschen Haus mit kleinem Garten und separaten Gästezimmer (75.52 km, 4:47 Stunden). Das Zelt legten wir in die Sonne und die Schlafsäcke kriegten sogar eine kurze Behandlung im Tumbler. Danach waren sie so aufgeplustert, dass wir sie kaum mehr erkannten. Jay hatte auch Familie, seine Frau Sonny und zwei Kinder im Alter von sieben und acht Jahren. Der Jüngere, August, war so scheu, dass er in unserer Anwesenheit kein Wort herausbrachte.

Auf ein mega feines Abendessen folgte eine gemütliche Nacht und ein ebenso gutes Frühstück. Dann setzten wir uns wieder in die Sättel und waren glücklich über die Abwesenheit des Windes. Jay and Family, thank you so much for all your kindness and hospitality. It was great meeting you and enjoying an unexpected dinner and warm night in a house! Nach rund 15 km hatten wir Arcata erreicht, die nächst grössere Stadt, wo nochmals Futterbeschaffung angesagt war. Und wir brauchten Benzin zum kochen. Als wir das letzte Mal in einem Ace Hardware Store gefragt hatten, hatten die kein White Gas gehabt. Hier schon. Eine Galone. Das sind fast vier Liter! Wir entschieden uns aber, das zu kaufen, die kleineren Behälter, die es allenfalls sonst irgendwo gibt, kosten nicht viel weniger, obwohl nur etwa ein Viertel der Menge drin ist. Ich schaffte es sogar, die Galone in einer Vordertasche zu verstauen.

Viel mehr Aufregendes passierte nicht mehr. Wir fuhren wieder Freeway bis die Schilder eine Umfahrung für Velos anordneten und wir einige Kilometer durch Landwirtschaftsland geschickt wurden. Dann ging es zurück auf den FWY, dann gab es wieder ein kurzes Umwegli und wieder zurück auf den 101. Bis wir auf den Scenic Drive abbogen, der Teil des alten HWY 1 ist, unmittelbar an der Küste entlang führt und recht spektakuläre Aussicht bietet. Verkehr gab es da nur wenig und ab und zu sogar ein Abschnitt mit Kies. Das Strässli war schmal und kurvig, ziemlich genau so, wie es Spass machte.

Hübsche Küste Nr. 3.

Wir fanden dann ohne Probleme das Haus unserer WS in Trinidad. Die Lady war noch bei der Arbeit, wie versprochen war aber das Garagetor offen und so konnten wir ins Haus „einsteigen“. Wir checkten telefonisch bei Carol ein, machten es uns bequem und genossen die zweite Dusche in zwei Tagen. Nur nicht übertreiben. Am Abend kam dann unsere sehr nette Gastgeberin, die schon viele Ciclistas und andere Reisende gehostet hat, nach Hause, später kamen noch zwei weitere Leute, die ebenfalls zwei Nächte bleiben werden. Cool, das ist schon fast Party hier.

Sonntag, 26. Februar 2012

Aliso Viejo - San Francisco: Nicht gemütlich hier


Dass es kompliziert werden würde, durch LA hindurch zu kommen, war soweit klar. Der erste Tag von Vrenis Haus bis nach Long Beach war dann aber unerwartet einfach und problemlos. Die Strecke war nicht besonders weit und wir hatten mit Hilfe des allgegenwärtigen Internets gute Wegbeschreibungen erhalten (die von praktisch denkenden Menschen noch verbessert wurden). Es war etwa halb zehn Uhr als wir losfuhren, so war auch die morgendliche Rush Hour vorbei und es hatte somit relativ wenig Verkehr. Bis zum Pacific Coast Highway (PCH) ging es mehrheitlich bergab und einmal dort, war es auch nicht mehr schwierig, den Weg zu finden (57 km,  3:09 Stunden). Wir kamen schneller voran als angenommen und da unser Warmshower-Host, Karen, erst um halb sechs Uhr nach Hause kam, mussten wir etwa drei Stunden in einem Park und Starbucks rumhängen. Karen erwies sich dann aber als sehr nette Gastgeberin, die uns feine Pizza spendierte.

Selbstverständlich bekamen wir auch hier Tips für den Weg durch LA, die sich als hilfreich erwiesen. Früher oder später wurde es dann aber trotzdem schwierig, den Bike Trail-Schildern zu folgen, da aber Samstag war, waren hordenweise einheimische Ciclistas unterwegs, die uns weiterhelfen konnten. Als wir schliesslich den Redondo Beach erreicht hatten, wurde es einfacher, immer dem Strand nach. Dieser Weg war aber, da eben Samstag, sehr stark bevölkert und Fortkommen wurde manchmal durch den starken Verker, bestehend aus Velofahrern, Joggern, Spaziergängern, Walkern, Rollerbladern und anderen Freizeitleuten, ziemlich behindert. Einmal sogar, trotzt ausgewiesenem Radweg, von einer Treppe! Wir mussten ziemlich hilfsbedürftig ausgesehen haben als wir sprachlos auf die Stufen starrten und den anderen Radlern zuschauten, wie sie ihre leichten Rennvelos auf die Schultern luden und innert Sekunden oben waren, jedenfalls waren gleich zwei rettende Männer zu Stelle, die uns hieven halfen.


Radweg mit integrierter Treppe.
Bevölkerter Strandweg....
... und parkierte Boote, im Hintergrund die Queen Mary.

Wir pedalten weiter dem Strand entlang, wo auf unzähligen Feldern Beach Volley gespielt wurde. In Santa Monica standen sogar die Zelte des Cirque du Soleil neben dem Weg. Der Nachmittag zog sich dann in die Länge und wir begannen daran zu zweifeln, dass wir es bis zu geplanten Stopp, dem Leo Carillo State Park, schaffen würden. Wir waren zwar aus dem Gewirr von LAs Strassen raus und auch auf dem richtigen Weg, der aber ganz einfach noch ziemlich lange war. Und wie um Murphy’s Law zu bestätigen, hatte Martina an jenem Nachmittag einen Platten. Was an sich, ausser der zeitlichen Verzögerung, kein Problem darstellt, blöd war diesmal nur, dass die Mechaniker in San Diego einige Schrauben so stark angezogen hatten, dass weder sie noch ich sie aufbrachten. In Kolumbien hätten in so einer Situation schon längst unzählige Männer gefragt, ob wir Hilfe brauchten. Hier klappte es schliesslich auch, einen Rennvelofahrer anzuhalten und um Hilfe zu bitten. Die wir selbstverständlich auch erhielten. Mit dem Rad endlich draussen, war der Rest bald erledigt und wir wieder unterwegs. Trotzdem, wir hatten noch viele Meilen, aber nicht mehr viele Stunden mit Tageslicht, vor uns. Als wir am Malibu RV Resort vorbeifuhren (nach 89 km und  5:42 Stunden) und sahen, dass da auch Tent Camping möglich war, beschlossen wir, mal abzuchecken, was das den kosten würde. Mit Wochenendzuschlag fast USD 30! Das war mehr als wir in den „teuren“ Hotels in Lateinamerika bezahlt hatten. Da wir aber eigentlich keine Wahl hatten, blieben wir eben und genossen die heisse Dusche dafür ein paar Minuten länger.

Ab Malibu begannen sie die Tage sehr zu gleichen. Meist war links das Meer, rechts grün-grau-braun gesprenkelte Hügel zu sehen. Wo die Route durch Städte führte, war es nicht immer trivial, den optimalen Weg zu finden und unser Buch quasi „rückwärts“ zu lesen, auch nicht immer so leicht. Vielerorts war der Weg mit grün-weissen "Pacific Coast Bike Route"-Schildern ausgewiesen, öfter aber natürlich auch nicht, und ab und zu kurvten wir darum mehr als nötig in der Welt herum auf der Suche nach dem richtigen Weg.

Um Carpinteria, unserem nächsten Tagesziel (98.5 km, 5:53 Stunden), wurden grossräumig Erdbeeren angepflanzt und diese Farmen hatten praktischerweise auch Verkaufsstände an der Strasse. So kame wir einerseits zu frischem Gemüse für’s Abendessen, andererseits zu wirklich megafeinen Erdbeeren. Vreni, wir haben nicht vergessen, dass Du gesagt hast, dass alle Erdbeeren, die nicht organic sind, irgend ein Gift drin haben, sie waren aber wirklich gut und wir hoffen, dass nur wenig davon keine negativen Auswirkungen hat. Im Carpinteria State Park gab es für uns zum ersten Mal Hiker/Biker Sites, die aber auch $ 10 pro Person kostete. Immer noch mehr als unser durchschnittliches Hotel in Mexiko. Inbegriffen ist da nicht einmal eine Dusche, die würde $ 0.25 / 2 min. Kosten. Was wir uns sparten. Unser Platz befand sich am Rand des Parks, nahe am Highway und dem Gleis, wo immer mal wieder ein Dieselzug mit lautem Getöse und Gehorne vorbeifuhr.

Erdbeer-Ernte-Mobil.

Meine Erinnerungen vom vierten Tag seit LA hebt sich nicht sehr ab, konsultiere darum mein Tagebuch:  Ah, ja, richtig, am Morgen hatten wir ein paar Tropfen, aber nichts wildes. Wir mussten durch Santa Barbara und all die dicht bewohnten Gebiete davor und danach. Das war teilweise noch ganz interessant, hier in Kalifornien wohnen offenbar schon eine ganze Menge Leute mit extrem viel Geld. Da stehen Unmengen von riesigen, z.T. schon eher protzigen Häusern herum, wenn am Wasser, dann selbstverständlich gleich mit privatem Steg und dem dazugehörigen Boot. Wir verirrten uns wieder einmal kurz, ein freundlicher Zeitgenosse half uns jedoch und schickte uns zurück auf die richtige Strasse.


Nach einer kurzen Einkaufs-Tour entschieden wir uns, von der im Buch beschriebenen Route abzuweichen und eine andere Strasse zu nehmen. Worüber wir bald nicht mehr so glücklich waren, da wir irgendwann zu einer Art Torbogen der "Hope Ranch" kamen, wo auch ein Schild stand, das darauf aufmerksam machte, dass die Strasse ab da privat sei. Dahinter befand sich zwar nicht gerade eine Ranch, dafür grosse, grüne Grundstücke mit schicken Häusern. Nochmals ein oberbonziges "Quartier". Wir fuhren trotztem weiter, fürchteten aber bald, dass das eine Sackgasse sein könnte. So stoppten wir einen Autofahrer, der meinte, wir sollten einfach weiterfahren, wir kämen da schon wieder auf öffentliche Strassen. Dem war dann tatsächlich auch so, wir fanden sogar genau die Strasse, die wir eigentlich gesucht hatten. Somit war das Problem gelöst, es ging weiter immer leicht auf und ab, immer gegen böigen Gegenwind. Wir kauften wieder Erdbeeren, organic diesmal, was genau doppelt so viel kostete, also in etwa Schweizer Preisniveau entsprach.


Im Refugio State Park, wo wir diesmal übernachteten, kostete eine H/B Site ebenfalls $ 10, dafür war der für Velofahrer vorgesehene Platz diesmal auch wirklich hübsch, sogar mit Aussicht aufs Meer. Da wir diesmal am frühen Nachmitta angekommen waren (66.1 km, 4:12 Stunden), hatten wir genügend Zeit, alle unsere von der letzten Nacht feuchten Sachen zu trocknen bevor später Regen einsetzte. Gegen Abend intensivierte sich dieses Verhaltens des Himmels und wir waren froh über den überdachten Platz vor den Duschen, wo wir im trockenen kochen und essen konnten.


Hiker & Biker Site, für einmal sehr hübsch.

Nach nur wenigen Kilometern der Küste entlang, führte uns die Strasse am folgenden Tag ins Landesinnere durch Hügel, die aussahen wie in der Schweiz. Um diese Hügel zu erreichen, mussten wir uns aber erst durch einen kurzen Tunnel mit monströsem Gegenwind kämpfen. In unserem Westküsten-Bike-Buch wird dieses Erlebnis so beschrieben: es sei, wie wenn man durch eine Staubsaugerröhre hindurch pedalen muss, wenn der Sauger auf Maximalstärke einestellt ist. Wir fanden die Beschreibung sehr treffend. Danach wartete unser erster „richtiger“ Hügel auf uns, sage und schreibe um die 300 m hoch. Da wir hier kaum Wind mehr hatten, war das nicht wirklich bemerkenswert.

Wieder am früheren Nachmittag kamen wir in unserer Tagesdestination, Lompoc, an (60.3 km, 4:40 Stunden). Interessantes Detail, die Stadt mit gut 40'000 Einwohnern hat fünf "Schwesterstädte" auf der ganzen Welt, darunter Locarno. Hier war Shopping angesagt und wir setzten uns in ein Starbucks, da wir Wifi benötigten. Wir mussten uns um eine WS-Unterkunft in San Francisco kümmern. Was hier die beste Strategie war, hatten wir noch nicht herausgefunden. Wenn man ein Mail schickt, musss man bald darauf wieder Internetzugang finden und auf Antwort hoffen. Wenn man telefoniert, kriegt man öfters Beantworter oder die Leute möchten ein Mail. Oder halt ein SMS, wenn kein Mail möglich ist. Und auch hier gilt, auf Antwort hoffen. Der Campingplatz in Lompoc kostete zum Glück nur $ 5/P und war ganz ok. Auch hier trafen wir andere Toureros, die aber schon wie im Refugio nur geringfügig an Geplauder in anderen interessiert waren. Aus Lateinamerika waren wir da anderes gewohnt.


Schwesterstadt von Locarno.

Am Morgen darauf regnete es. Pfuiii! Es dauerte darum etwas länger bis wir abfahrbereit waren. All die ganzen Regenschütze anzuziehen dauert eben. Der Regen liess nach als wir noch durch die Stadt manöverierten, wurde aber auch schon wieder stärker, als wir die nächste Steigung in Angriff nahmen. Im Laufe des Morgens brach aber die Sonne durch und wir konnten die Verkleidung, die eh schon zu Ueberhitzung geführt hatte, wieder ausziehen. Der Tag verhiess, äusserst windig zu werden und als wir bei einer Verzweigung ohne Beschilderung unsicher waren, beantwortete der Wind eigentlich unsere Frage. Immer gegen den Wind, lautet das Moto. Ein Autofahrer bestätigte schliesslich unsere Vermutung. Der Rest des Tages sah ähnlich aus. Es war nun recht platt mit nur leichtem Auf und Ab aber mit konstantem, starken Gegenwind. Die Gegend war wieder voller Felder. Ausser Erdbeeren wuchs da viel Broccoli. Da gerade Erntezeit war, waren viele Mexikaner damit beschäftigt, Broccoli abzuschneiden, was feinen Geruch in der ganzen Region verbreitete. 

Auf der Suche nach dem State Park in Oceano stellten wir fest, dass camping dort sehr verbreitet sein muss. Die nicht sehr grosse Stadt hat mehrere RV Parks, so wie das aussah, teilweise aber eher mit permanenten Bewohnern. Entgegen der Information in unserem West Coast-Buch gab es im State Park aber keine Hiker/Biker Sites (73.2 km, 5:47 Stunden). So mussten wir eine reguläre Camp Site bezahlen, was $ 25 kostete. Nicht nett. Wie in schon so einigen dieser Parks, musste man sich auch in Oceano selber registrieren und das Geld in einem Umschlag in eine Art Briefkasten stecken. Wenn wir nicht bezahlten, würde dann wohl jemand kontrollieren kommen?

Da die letzte Dusche schon einige Tage zurücklag, investierten wir je $ 0.75 und fühlten uns wie neugeboren. Wobei man dazu eigentlich sagen muss, wir schwitzen hier nicht so krass und da wir uns jeden Abend waschen können, fühlten wir uns eigentlich gar nicht sonderlich schmutzig oder stinkig. Anderswo war das schon nach einigen Stunden schlimmer als hier nach mehreren Tagen. Wie auch in anderen Parks gab es hier Holzboxen um Esswaren aufzubewahren. Racoons, Waschbären, haben auch Hunger und leben hier in Massen. An jenem Abend sahen wir aber nur einige kleine Rehe, die gleich neben unserer Site grasten, als Martina in der Nacht aber rausging, sah sie das Waschbär-Viech, das auf unseren Velos rumturnte und versucht hatte, die Tür der Futterbox zu öffnen.

Keinen Regen diese Nacht, dafür sehr kalter Morgen. Tagwache war immer noch um 5.30 Uhr und wir fuhren meist kurz nach 7 Uhr los. Diesmal stoppten wir nach nur wenigen Kilometern bei einem 7 Eleven, so einer Art US-Version unseres geliebten Oxxos in Mexiko, sprich ein Tankstellen-Shop, wahlweise mit oder ohne dazugehörende Tankstelle. Jedenfalls gab es dort warmen Kaffee und das gleich in so grosser Auswahl, dass ich etwas überfordert war. Kaum waren wir weitergafahren, als wir einen Laden sahen, der uns empfohlen worden war: Old Western Cinnamon Rolls. So ein Teil kostete glatte $ 3 pro Stück, stellte sich aber als so fein heraus, dass wir es bereuten, nicht mehr davon gekauft zu haben. Viel passierte den ganzen Tag über nicht, es stand ab und zu mal einen Hügel im Weg, so krass, wie es manchmal auf dem Profil im Buch aussieht, war es jedoch nie. Am Morgen hatten wir ganz leichten Rückenwind, der sich am Nachmittag drehte und natürlich auch stärker wurde, mehr als lästig wurde es an jenem Tag nicht.


Unser Tagesziel war der San Simeon State Park (86.6 km, 5:44 Stunden). Auch einer der günstigeren, dazu noch fast leer. Wir waren jedenfalls die einzigen mit Zelt, die RVs waren etwas weiter weg einquartiert. Am Abend bewies so ein frecher Waschbär, dass es durchaus gerechtfertigt ist, wenn wir unser Futter jeweils in die Holzboxen einschliessen. Es war zwar schon dunkel, mein Velo, wo unser Abfallsack dranhing, stand jedoch nur einige wenige Meter von unserem Tisch entfernt. Wir waren am Abendessen, als plötzlich mein Velo mit einem lauten Krach umfiel. Immerhin hat der Lärm auch den Diebstahl verhindert, da der Racoon offensichtlich auch ziemlich erschrocken ist. Den von Krallen durchlöcherten Sack platzierten wir nun auf dem Tisch und hinterher, wie ja eh geplant, in die diebstahlsichere Mülltonne.


Wieder ein eiskalter Morgen, ein pflutschnasses Zelt und feuchte Schlafsäcke. Aufstehzeit war inzwischen von 5.50 auf 6.00 Uhr verschoben worden. Viel wärmer war es deshalb aber nicht. Die Strecke begann flach und zu Beginn nicht sonderlich interessant. Bis wir zur Elephant Seal Viewing Area kamen. Das ist ein Strand, wo sich immer See-Elefanten aufhalten, von Januar bis März versammeln sich dort aber  deren tausende.  Der Strand liegt unterhalb eines einige Meter hohen Felsabbruchs und ist zusätzlich mit einem Zaun gesichert, damit keine deppischen Touristen den See-Elefanten in die Quere kommen können. Die Weibchen gebären dort unten ihre Jungen und säugen sie einen Monat lang. Ein Junges ist bei der Geburt 90-120 cm gross und etwa 30-35 kg schwer, nimmt jedoch täglich um die 4-5 kg zu. Etwa einen Monat nach der Geburt haben die Mütter bis zu 40% ihres Gewichts verloren. Sie paare sich wieder und gehen dann zurück ins Meer, wo sie, wie alle See-Elfanten, allein leben. Die Jungen, die nun 100-160 kg wiegen, bleiben zurück um zu wachsen und schwimmen und tauchen zu lernen. Drei Monate später starten auch sie ihre Migration in arktische Gewässer - im Alter von vier Monaten - ebenfalls alleine!


Ist das Leben nicht schön?
Angeberische Männer.

Es war witzig, den Gruppen von fetten, rumhängenden Jungen beim Nichtstun zuzuschauen, den lautstark raufenden Bullen oder ihre Jungen stillenden Müttern. Einige der Kälber schauten so neugierig zu uns Menschen hinauf, wie wir zu ihnen hinunter. Einige der Tiere schmissen sich Sand auf den Rücken und  Unterhaltungen wurden laut auch über weitere Distanzen geführt. Diese ganze Zuschauerei war natürlich eine anstrengende Aktivität und so mussten wir bald eine Futterpause einschalten. Für solche Gelegenheiten stehen da extra Bänke herum, und wir machten es uns auf so einem bequem. Als da erst ein Rabe auftauchte, ahnten wir noch nichts böses, auch nicht, als weitere, kleinere Vögel landeten und eindringlich piepend Brösmelis forderten. Doch eher überrascht war ich, als da plötzlich ein Ground Squirrel, so eine Art Boden-Eichhörnchen, hinter mir auf der Lehne des Bankes sass und mir dann gleich mal kurz auf den Kopf kletterte. Ok, Wildtiere sollte man nicht füttern, was aber, wenn diese regelrechte Raubzüge starteten und einem Plastiksäcke durchsuchten und Cracker aus den Händen stehlen? Zu Beginn wehrten wir sie noch ab, dann wurden wir aber neugierig und wollten wissen, wie weit die dreisten Viecher gehen und liessen sie gewähren. Und sie zerren einem also effektiv Cracker aus der Hand, wenn der nicht freiwillig überlassen wird (wenn man etwas gibt, nehmen sie das ganz sorgfältig und vorsichtig), und wenn man sie lässt, sitzen sie einem auf den Arm und essen ganz gemütlich und ordentlich Power Bar.

Krankgelacht ab dem Squirrel.

Wir fanden das Ganze natürlich extrem unterhaltsam und ich fiel fast vom Bank vor lachen. Zwei Ranger warnten uns, dass die Viecher beissen, sie seien schon nach Pflastern gefragt worden. Nun, das hätten wir selber auch dabei, die Hörnchen wollten aber lieber in unser Essen als unsere Finger beissen. Wirklich Lust zum weiterfahren hatten wir beide nicht, was aber natürlich nichts half. Zum Glück war es nicht sehr windig und schon bald wurde auch  die Landschaft viel interessanter. Die Küste fiel nun immer steiler ab, wurde schroffer und spektakulärer. Und die Strasse stieg nun an, nicht eines dieser läppischen kleinen Hügelis, sondern so richtig "lang", recht steil und mit sich dem Hang entlangwindender schmalen Strasse ohne Seitenstreifen. Die meisten Autofahrer waren aber relativ rücksichtsvoll und kritische Momente gab es keine. Es gab aber immer mal wieder Orte, wo man parkieren, absteigen und die Aussicht geniessen konnte. Einen solchen längeren Aufstieg, den man so richtig gemütlich anging, hatten wir schon länger nicht mehr gehabt und eigentlich machte das bedächtige bergauf Fahren ziemlich Spass. Dass es inzwischen windiger geworden war, merkten wir zwischendrin jeweils kurz wenn die Strasse die Richtung änderte und kein Felsen uns mehr schützte. Im Windschatten des Berges war es jedoch angenehm warm, was auch schon fast Seltenheitswert hatte.

Hübsche Küste Nr. 1.

Wir kam gar nicht mal so spät beim Kirk Creek Campground im Los Padres National Forest an (65.9 km, 5:02 Stunden), die Hiker/Biker Sites waren jedoch alle schon besetzt. Wir waren etwas geschockt darüber, stellten dann aber fest, dass Freitag war und entsprechend viele Leute unterwegs waren. Bei näherem Hinschauen kam auch die Vermutung auf, dass nicht alle dort Campenden auch wirklich per Velo angereist waren. Bei der Menge Stuff, den einige da hatten, sah das eher nach Autofahrer aus, die halt auch noch Velos mit dabei hatten. Auf dem Zettel der einen Site stand jedoch geschrieben, dass es da noch Platz für andere Ciclistas hätte und dem war auch tatsächlich so. Wir fanden dort noch knapp ein Stücklein Sonne unter den grossen, schönen Eukalyptus-Bäumen, wo unser Zelt bald wieder trocken war. Natelempfang gab es in jenem Teil der Küste nicht, was etwas mühsam war, da wir immer noch auf Antwort potentieller Warmshowers in San Francisco hofften.

Die Nacht war zwar nicht sehr kalt gewesen, am Morgen zogen jedoch Nebelschwaden auf. Das sah sehr hübsch aus und es herrschte eine mystische Atmosphäre, war darum aber auch wieder kühler. Gemäss Profil erwarteten uns zwei grössere Hügel, den ersten davon haben wir jedoch nicht gefunden. All die Vista Points erhöhten nicht gerade unsere Geschwindigkeit und ausser genialer Aussicht gab es dort auch immer mal wieder spezielle Vögel zu bestaunen. Wir selber erregten auch ab und zu etwas Aufmerksamkeit, anscheinend heben wir uns schon von den einheimischen, meist eher Kurzzeitradlern ab (vermutlich weil wir so schwer beladen sind und nicht sehr typische Velokleidung tragen).

Hübsche Küste Nr. 2.
Hübscher Vogel.

An jenem Morgen in der Steigung des zweiten Hügels trafen wir jedoch jemanden, neben dem unsere Radreise ziemlich blass aussah. Tom, der um die Welt rennt, im Schnitt rund 50 km pro Tag. Krass, das ist fast so viel, wie wir auf Rädern machen! Ok, er hat natürlich ein Auto, das voraus/hinterher fährt, da man zu Fuss so eine Ausrüstung natürlich nicht mittragen kann, wir waren aber doch sehr beeindruckt ab seinem Unternehmen. Einige Kilometer später hatten wir die Steigung besiegt und wurden oben von kaltem, fiesen Wind empfangen. Die darauf folgende Abfahrt wäre ohne Wind so richtig rasant gewesen, sie wurde aber auch mit Gebläse immer noch ziemlich zügig. Nur kurz nach dem Mittag checkten wir im Pfeiffer Big Sur State Park ein, einem grossen, bewaldeten und stark frequentierten Park. Hier war auch der Eingang bemannt, bzw. befraut und wir konnten uns bei einer sehr netten Rangerin registrieren lassen (51.3 km, 4:02 Stunden). Die Hiker/Biker Sites waren auch hier nahe dem Highway, die Lärmimmissionen waren aber nicht so krass. Die Sites befanden sich im Wald zwischen riesigen, wunderschönen Redwood Bäumen. Im Sommer wäre es dort bestimmt angenehm kühl, um diese Jahreszeit war es uns aber zu kalt um im Schatten der Bäume rumzuhängen. So machten wir ein kurzes Velotürli ins "Dorf" Big Sur, das de facto nur aus Hotels, Restaurants und sonstigen wenigen Touri-Einrichtungen bestand. Hinterher setzten wir uns ins Restaurant des Parks - es gibt da sogar ein Hotel - tranken megafeinen Tee und frohren zur Abwechslung einmal nicht.

Der nächste Tag war nicht so amüsant. D.h. der Morgen begann sehr positiv. Wir hatten am Vortag in Big Sur von einem Restaurant-Besitzer eine Einladung zum Frühstück erhalten, die wir natürlich gerne angenommen hatten. Das war ein unglaubliches Upgrade im Vergleich zu dem sonst üblichen Granola. Logischerweise starteten wir aber später, erst nach 9 Uhr, und da hatte der Wind schon eingesetzt. Kaum waren wir aus den Hügeln um Big Sur raus, gab es keine Deckung mehr und... und... es war ganz einfach miserabel, in so flachem Terrain so langsam vorwärts zu kommen und bei so schönem Sonnenschein konstant zu fieren. Wir stoppten noch ab und zu für ein Foto, schon bald lag der spektakuläre Küstenabschnitt aber hinter uns und als einzige Ablenkung diente der starke Sonntagsverkehr, der uns auf der schmalen Strasse das Leben schwer machte. Schon etliche Kilometer vor Monterey wurde die Strasse dann breiter, noch stärker befahren und wurde schliesslich zu einer Art Freeway. Wir wussten nicht, welche Ausfahrt für uns die beste war, nahmen schliesslich irgendeine und nach ein paar Mal Nachfragen fanden wir die Strasse, die zum Veterans Memorial State Park führte. Etwa zwei Kilometer recht steil bergauf, ein anstrengender Abschluss des Tages (57.8 km, 4:50 Stunden).

Der Park, mit günstiger Hiker/Biker Site, war aber wirklich hübsch und verfügte über geniale heisse Duschen - gratis! So hatte sich der schweisstreibende Aufstieg immerhin seeehr gelohnt. In der Stadt hatten wir natürlich auch wieder Handykontakt, bekamen die erwarteten SMS und konnten zurücktelefonieren. Laura war sehr nett, gab uns das ok senkte damit unseren momentanen Stresslevel - das Problem Unterkunft in SF war gelöst.

Der folgende Tag war überraschend erfreulich. D.h. erst verblödelten wir in Monterey einiges an Zeit auf der Suche nach Camping Fuel (White Gas). Wir fanden keines und tankten schliesslich bei einer Tankstelle auf. Dann pedalten wir eine längere Strecke auf einem Radweg, der zu Beginn noch nahe am Strand vorbeiführte und darum teilweise versandet war. Später ging es etwas weiter ins Landesinnere durch Landwirtschaftsgebiet. Da Winter, waren viele Felder braun und kahl, was recht desolat aussah. Es gab aber durchaus auch grüne Abschnitte, hier oft mit Artichoken bepflanzt. Das war mal eine Abwechslung nach all dem Broccoli und den Erdbeeren.

Riesige Mengen Artichoken.

Die Strecke war zwar etwas länger als erwartet, da aber ohne Steigungen und sonstigem Widerstand, kamen wir früh in Aptos an, einem Dorf wenige Kilometer vor dem New Brighton State Park. Wir kauften ein und setzten uns für eine Weile in ein Kafe mit Wifi und schlossen uns mit dem Rest der Welt kurz. Später im Park (72.6 km, 4:40 Stunden) fanden wir eine hübsche Hiker/Biker Site ausser Höhrweite von jedem Verkehr, mit grosszügigen Holzboxen um Food-Raub vorzubeugen und sauberen Sanitären Anlagen (die sind jedoch meist i.O.). Wie auf jedem Campingplatz nahe des Meeres war die Luft eher feucht und Schlafsack trocknen ist unter solchen Umständen selbst mit etwas wenig Abendsonne meist nicht sehr erfolgreich.

Die Strecke nach Halfmoon Bay sei sehr schön, haben wir am folgenden Abend gehört. Gesehen haben wir davon so gut wie nichts, es war den ganzen Tag neblig. Was wir mitgekriegt hatten, waren die grossen, bonzigen Häusern am Meer in Santa Cruz, nach der Stadt führte die Bike Route dem Highway 1 entlang durch offenes Gelände, meist in theoretischer Sichtweite des Meeres. Zu Gesicht gekriegt haben wir das Wasser nie, alles war kalt und grau. Ein paar wenige Male sah es so aus, als könnte die Sonne durch den Nebel dringen, auf einem Hügel sahen wir sogar ein klein wenige blauen Himmel, dann war alles wieder zugepackt. Der Wind war nicht superstark, trug aber das Seine zu den ungemütlichen Temperaturen bei und erhöhte den Spassfaktor überhaupt nicht. Dazu war die Strecke lang und eine Möglichkeit, sie abzukürzen gab es nicht, wild campen ist nirgendwo möglich, es ist hier alles eingezäunt.

Erst ganz kurz vor dem Dorf Halfmoon Bay wurde es nach einem kleinen Hügeli sonnig. Bis zum State Park wären es noch ein paar Kilometer weiter gewesen, als wir bei einem Pub ein Schild mit der Aufschrift "RV Park und Camping" sahen (90.7 km und 6:09 Stunden). Ob das aber unsere Preisklasse ist? Fragen kostet bekanntlich nichts, die Antwort, dass campen $ 30 kosten würde, machte aber klar, dass das nicht in Frage kam. Der freundliche Herr fragte dann, was wir den bezahlen wollten und wir sagten, dass die State Parks $ 5 pro Person kosteten. So bot er uns einen Platz für USD 15 an, was wir annahmen in der Hoffnung, im Pub etwas heisses zu trinken zu bekommen. Dem war dann auch so und zu unserer Ueberraschung fand Steve, unser nette Gastgeber, wir müssten das nicht bezahlen, er fände das, was wir machten cool. Womit sich die 5 Dollar schon amortisiert hatten.

Am Morgen bekamen wir nochmals eine heisse Schokolade, das Cameron's Pub in Halfmoon Bay wird uns also in guter Erinnerung bleiben. San Francisco war nicht mehr sehr weit weg, so machte es auch nichts, dass wir wieder etwas später aufbrachen. Der erste Teil der Strecke bestand wieder mal aus einem Hügel mit schmaler, kurviger Strasse. Teilweise sah das wieder recht cool aus, wie da die Strasse dem Hang entlang hinaufklettert und oben durch die Felsen geschnitten ist. Der Abschnitt heisst Devil's Slide und scheint nicht mehr zeitgemäss zu sein: Ein Tunnel ist im fortgeschrittenen Stadium der Fertigstellung.

Martina verschwindet in der Devil's Slide


Nach einer fetzigen Abfahrt und einer Pause auf dem Parkplatz eines Einkauszentrums nahmen wir die letzte längere Steigung vor San Francisco in Angriff. Die offizielle Bike Route verlässt nun HW 1, der breiter und sehr stark befahren war und später zum Freeway wurde. Da Velowege jedoch die Navigation massiv verkomplizieren, blieben wir illegalerweise auf dem FW, der immerhin einen breiten Seitenstreifen hatte. Je näher wir der Stadt kamen, umso unangenehmer wurde das aber und als wir die Beschilderung einer Verzeigung sahen, wurde klar, dass es jetzt so richtig kompliziert werden würde. Wir mussten die 19th Avenue finden, die da auch angeschrieben war. Nur führte die links des FWs weg und wir befanden uns natürlich rechts auf dem Seitenstreifen. Wie sollten wir da je lebend rüber kommen? Das Problem löste sich, als ein Polizist auf einem Motorrad uns vom Freeway pflückte und uns erklärte, dass wir dort nicht erlaubt seien. Hatten wir ja eigentlich schon gewusst, wir spielten aber die verirrten Touris, die wir im Moment ja auch waren. Der Polizist war nett und meinte nur, wir sollten in Zukunft nicht mehr auf die FWs. Nach kurzer Wegbeschreibung zur 19th Av. fuhr er weiter.


Wir dagegen machten Pause, bzw. Martina wechselte einen gelöcherten Schlauch, dann fuhren wir ohne Eile weiter. Laura, unsere WS-Gastgeberin in SF würde eh erst um 19 Uhr nach Hause kommen, was für uns hiess, noch stundenlang irgendwo rumhängen. Am frühen Nachmittag hatten wir das Haus auch schon gefunden, ein paar Blocks weiter parkierten wir am Rand eines des Hügelparks Buena Vista und setzten uns dort die Sonne. Dass das Quartier keine arme Region ist, war eh schon klar gewesen. All die grossen Häuser in viktorianischem Stil stellten einen interessanten Kontrast zu den neuen Retorten-Sururbs von Chula Vista oder LA dar. Hier sah jedes Haus anders aus, jedes hat seinen eigenen Stil und Charakter. Als es kalt wurde, zügelten wir in ein Kafe und als wir kurz vor 19 Uhr beim Haus läuteten, war Laura daheim (47 km in 3:34 Stunden). Ihre Begrüssung war herzlich, die Einführung ins Haus unkompliziert und wir fühlten uns schnell wohl.

Unser Zuhause für drei Tage.


Während wir gelangweilt und mehr oder weniger frierend rumgehängt waren, hatten wir diskutiert, ob sich das eigentlich lohne, so mal kurz einen halben Tag einfach nur warten und nichts tun zu können oder ob es nicht eher sinnvoller wäre, sich in einem Hostel einzuquartieren und somit die Zeit ab Ankunft auch nutzen zu können. Das, was wir hier aber erhalten haben, hat diese Frage bald beantwortet. Damit meine ich nicht nur die luxuriöse Unterkunft und die praktische Location, sondern auch den Empfang und die Gastfreundschaft, die uns hier entgegengebracht wurde. Und noch kurz zum Titel dieses Textes: Damit ist  natürlich nicht unser Zuhause auf Zeit gemeint, sondern das kühle, windige Wetter und die Komplikationen, die der Aufenthalt in den USA so mit sich bringen.


Am ersten Tag unseres Aufenthaltes hier machten wir Gebrauch von Waschmaschine und Wifi und spazierten am Nachmittag zum Golden Gate Park, wo wir das Conservatory of Flowers, einen grossen Botanischen Garten mit unterschiedlichen tropischen Klimazonen besuchten. Der Park, oder besser gesagt, der winzige Teil davon, den wir gesehen hatten, gefiel uns sehr. Was auffiel, war, dass hier sehr viele alternativ wirkende Leute rumhängen, auch viele Obdachlose und sonstige Komische. Aber die Stadt ist interessant und würde eigentlich einen längeren Aufenthalt als nur drei Tage verdienen. Tag Nr. 2 verbrachten wir nicht mit mehr Sightseeing, sondern mit Shopping. Es mussten weitere Dinge ersetzt  und ergänzt werden werden und man kann nur hoffen, dass nun nicht gleich wieder Sachen kaputt gehen. Am Abend nahmen Laura und ihre 14-jährige Tochter Sophia uns mit zu einem Aussichtspunkt auf einem Hügel in der Nähe des Hauses. Die Aussicht von dort oben auf San Francisco war echt cool und man sah sogar die beiden Pfeiler der Golden Gate Bridge.


Conservatory of Flowers im Golden Gate Park.
Sophia, Laura, ich und Martina,
 im Hintergrund San Francisco Downtown.


Laura and Sophia, thank you very much for your kindness and hospitality. We really liked staying in your house, getting to know your two cats and your beautiful city. You were awesome hosts!