Dienstag, 30. Oktober 2012

Pamplona - Barcelona: Erst durchnässt, dann gefriergetrocknet


Die zwei Tage in Pamplona waren schnell vorbei und schon hiess es wieder Abschied nehmen. Portu, muchas gracias, disfrutamos mucho las dos días en tu casa. Quizas nos veremos una vez en Suiza. Mit Portus Wegbeschreibung fanden wir die gewünschte Strasse aus der Stadt heraus und schon folgten wir einer praktisch verkehrsfreien Nebenstrasse, die parallel zur Autovía verlief. Das Wetter war gut, sonnig, z.T. nur mit einer ganz feinen Wolkenschicht. Leider hatte der spanische Wind seine Freundschaft mit uns aufgekündigt und er blies uns nun ins Gesicht. Nicht so richtig voll krass, aber stark genug um uns spürbar zu verlangsamen. Es lagen zwar eine ganze Reihe von Dörflis entlang unserer Strasse, die meisten aber etwas abseits, so dass wir nicht so viele Namen mitkriegten. Idocin durchquerten wir jedoch fadengerade und da gab es sogar ein paar hübsche Häuser mit roten Geranien zum bewundern.

Hübsche Häuser hat es hier.

Ein paar Kilometer und kleine Hügelis später passierten wir Monreal und da sich schon wieder Hungergefühle bemerkbar machten, stoppten wir für die erste Pause. Die Weiterfahrt verlief  dann störungsfrei und ohne grosse Aufregung. Als einmal zwei Autos der Guardia Civil kurz vor uns am Strassenrand anhielten, wunderte ich mich schon, was die wohl von uns wollten. Nichts, sie standen einfach da, sonst passierte nichts. So kurvten wir weiter und staunten nach einer Steigung, als wir vor uns eine Abfahrt in ein weites Tal hinunter fanden. Hinter den Hügeln geradeaus sahen wir so richtig felsige Bergen. Mussten wohl die Pyrenäen sein. Also fegten wir da hinunter und unten im Tal bogen wir schliesslich von der Autovía weg. Dass es ab nun nicht mehr ganz so flach weitergehen würde, war klar. Nach wenigen Kilometern hatten wir schon fast Sangüesa erreicht, wo wir etwas ausserhalb der Ortschaft Zmittag assen.

Hahn auf Kirchendach vor Sangüesa.

Tatsächlich ging es aber doch nochmals einige Kilometer recht flach weiter, dann schlich sich eine ganz leichte Steigung ein. Und kurz vor Sos del Rey Catolico stieg die Strasse dann so richtig steil an. Jenes Dorf liegt an einem Hügel und sieht von unten aus wie eine mittelalterliche Festung. Da hinaufzukommen versetzte uns ganz schon ins Schwitzen und da gab es sogar noch irgend welche Fliegenviecher, die einem nervig um den Kopf schwirren konnten. Portu hatte uns gesagt, dass Sos ein megaherziges Dörfli sei, und dem war auch so. Wir drehten eine kleine Runde durch die Altstadt und hatten das Gefühl, uns in einem bewohnten Museum zu befinden.

Da oben auf dem Hügel sitzt das Dorf...
... wir kommen näher...
... und sind drin.

Inzwischen war es schon etwas spät geworden, d.h. nach 16 Uhr. Bei einer Tankstelle luden wir Wasser auf und erstellten eine Strategie für den Abend. Es wartete ein Pass auf uns und am späteren Nachmittag eine Passüberquerung zu starten, erschien uns als nicht ratsam. So gingen wir zurück ins Dorf um bei der Guardia Civil zu fragen, ob wir auf dem Rasen der Sportanlage zelten dürften. Die Bullen waren jedoch nicht zuhause, weshalb wir direkt zur Sportanlage gingen um die Lage abzuchecken. Wir fanden auch jemanden, der für uns jemanden anderen anrief und uns dann zur Zona de Acampar Libre schickte. Der letzte Regen hätte den Ort aber ziemlich überschwemmt und er wisse nicht, ob man dort im Moment ein Zelt aufstellen könnte. Sonst müssten wir halt nach einer Albergue fragen. Ah ja, und für den nächsten Tag werde auch wieder Regen erwartet. Beladen mit dieser Information gingen wir den Platz abchecken und fanden tatsächlich deutliche Zeichen von Wasser, das dort seine Spuren hinterlassen hatte. Inzwischen war aber schon wieder eine Stunde vergangen und wir wussten, dass wir eigentlich keine Wahl mehr hatten, als da zu bleiben. So suchten wir uns die flachste Stelle aus und bauten unsere Hütte auf (64.56 km in 4:50 Stunden).

Der Abend blieb trocken, in der Nacht regnete es, am Morgen packten wir bei bewölktem Himmel zusammen. Als wir beim Zmorge sassen, fielen einige Tropfen, genug um ein eiliges Sachen einsammeln auszulösen. Und schon war alles wieder vorbei. Kaum waren wir aber ein paar Minuten unterwegs, begann das von Neuem und nun doch immerhin so stark um uns zu veranlassen, die Regenschütze zu montieren. Wohl nur so, um sicherzustellen, dass wir auch schnell warm bzw. heiss kriegten, so richtig stark zu regnen begann es nämlich nicht. So strampelten wir wieder einmal einer Reihe Windmühlen entgegen und als wir auf dem Puerto de Sos, 865 müM, zwischen den doch recht grossen Dingern hindurchfuhren, stellte ich fest, dass das ähnlich klingt wie ein Flugzeugmotor. Seit wir losgefahren waren, hatten wir konstanten Gegenwind gehabt, was für den Rest des Tages nichts Gutes verhiess.

Nun ging es bergab. Nicht sehr steil und darum auch nicht rekordverdächtig schnell aber doch ziemlich zügig. Der Regen hatte für den Moment aufgehört, in der Ferne liess sich sogar ein kleines Stücklein blauen Himmel erspähen. Auf der anderen Seite des Passes sah die Landschaft aus, wie wir uns das schon gewohnt waren. Braune oder braun-gelbe Felder soweit das Auge reicht. Dazwischen vielleicht da und dort ein paar Büsche oder Baumgruppen, aber insgesamt nichts Aufregendes. Beeindruckender war da ein weiterer Beweis der heftigen Regenfälle, die nicht allzuweit zurückliegen konnten. Kurz vor dem nächsten Dorf, Castiliscar, hatte ein Bach nämlich ein Stück der Strasse weggerissen. Ein Bild, dass z.B. in Kolumbien oder auch in Guatemala fast normal war, aber ob Lateinamerika oder Europa, dass das Wasser stärker ist als menschliche Bauwerke, kommt eben vor.

Hier hatte es (zu) stark geregnet.

Weiter ging’s. Meist flach, zwischendrin mal ein Hügel, aber schnell ging sowieso nichts. Der Wind, der nun von der Seite kam, stellte sicher, dass wir genug Zeit hatten, die eben nicht sonderlich interessante Landschaft zu würdigen. In Sabada machten wir Pause, in einer windfreien Seitenstrasse auf einer Bank mit umwerfender Aussicht auf eine knapp 1.5 m entfernte Hauswand. Und wie es nicht anders zu erwarten war, begann es auch genau dann wieder zu regnen. Wir zügelten uns unter ein läppisches Dächli und setzten uns dort auf den Boden. Natürlich hatte es in der Zwischenzeit wieder aufgehört zu regnen und die Leute wunderten sich vermutlich, warum da zwei so komische Ciclistas am Boden sassen.

Ein ähnliches Spiel widerholte sich etwa 20 km später in Ejea de los Caballeros. Wir hatten uns auf eine Bank neben der Kirche San Salvador gesetzt und alle unsere Sachen für den Zmittag bereitgelegt, Brot geschnitten etc. Diesmal flohen wir unter das Vordach der Kirche, das tatsächlich auch mehr bewirkte als dasjenige in der ersten Pause. Zum Glück, diesmal hielt der Regen nämlich länger an. Als wir wieder startklar waren, waren die Regenwolken weitergezogen, diejenige die blieben, führten keine überflüssige Feuchtigkeit mehr mit. Dafür hatten wir nun wieder frontalen Gegenwind, der dazu noch stärker geworden zu sein schien. Wir brachten es also noch auf ungefähr 10-12 km/h, und das bei einer topfebenen Strasse, auf der man eigentlich fast fliegen könnte. Wie schön das wäre, merkten wir jeweils, wenn ein oder zwei Lastwagen vorbeifuhren und den Wind davonpflügten. Für uns war das Pech, aber ganz unerwartet kam der Wind ja nicht.

In Erla fanden wir einen Brunnen, füllten unsere Flaschen auf und pedalten dann weiter, wieder auf einer recht stark befahrenen Strasse. Wir hielten nun Ausschau nach einem Übernachtungsplatz, bevorzugt mit Dach. Eine verlassene Fabrik lockte uns an, speziell als wir sahen, dass alle Türen der Gebäude offen standen. Wir fanden auch ein Raum, der nicht mit Gerümpel, Scherben oder von der Decke gestürzten Trümmern zugemüllt war und entschieden uns zum Bleiben (72.71 km in 5:17 Stunden). Bevor wir das Zelt aufstellten, rissen wir aber zwei Büschel Gras ab und wischten den Boden sauber. Naja, so einigermassen zumindest. Wenn schon, dann will man ja nicht auf Staub und sonstigem Dreck zelten.

Erst putzen...
... dann Camp einrichten.

Etwas verunsichtert waren wir einen Moment, als auf dem Weg vor dem Gebäude ein Auto ganz langsam Hin und Her fuhr. Hmm, werden die uns von hier fortschicken? Wir nahmen an, dass die Leute uns gesehen hatten und als das Auto anhielt und jemand ausstieg, warteten wir halt mal ab. Was sonst hätten wir schon tun können? Es kam jedoch niemand und als das Auto wieder wegfuhr, glaubten wir schon, nun Ruhe zu haben. Stellten also das Zelt auf und richteten uns häuslich ein. Bis wir wieder Stimmen hörten. Wir wagten einen scheuen Blick aus dem Fenster und sahen zwei Männer, die den Boden absuchten. Nach Schnecken, so wie es aussah. Die beiden verbrachten einige Zeit damit, die Wiese vor unserem Haus zu durchkämmen, waren damit aber so beschäftigt, dass sie nie auch nur in unsere Richtung blickten. So blieben wir also ungestört in unserem zusammenfallenden Gebäude vollen Staub, Vogelscheisse und anderen Verunreinigungen.

Wie sich am Morgen zeigte, hatten wir unseren Raum aber trotzt möglichem Gesehenwerden gut ausgewählt. Es hatte nämlich die ganze Nacht hindurch geregnet, was wir nicht an den Regengeräuschen an sich, sondern an den Tropfgeräuschen um uns herum wahrnahmen. Das klang wie halbe Wasserfälle und dem war in der Tat so. Der grosse, recht offene Raum neben uns war total durchnässt, da das kaputte Dach dem Regen nicht lange standgehalten hatte. Es regnete immer noch als wir aufstanden und es regnete auch noch als wir losfuhren. Da auch die Strasse nass war, waren wieder hunderte oder gar tausende kleine Schnecken unterwegs. Als Steinchen verkleidet spazierten die auf Fahrbahn und Seitenstreifen umher und selbst bei bester Absicht gelang der Slalom darum herum nicht immer, speziell da sie eben wirklich gut getarnt sind und so zahlreich, dass man sehr häufig welche mit einem „zack“ überfährt. Oder eben mit einem „zack, zack, zack“. Die würden auch besser in den Wiesen bleiben. Ebenfalls für „Abwechslung“ sorgten die unzähligen Schweinemast-Betriebe, die seit Tagen mit ihrem Gestank die Luft verpesten, sowie die Schweine-Transporter, die jeweils kurzfristig dieselben Geruchszellen beleidigten. Aber klar, irgendwoher müssen ja all die Schweine kommen, die für den allgegenwärtigen Jamón Ibérico ihr Leben lassen müssen.

Ein „Futtersturz“ am Abend zuvor hatte ergeben, dass unsere Vorräte nicht bis Barcelona reichen würden und wo planten wir einen Einkaufs-Stopp. Ganz so einfach wie das klingt, ist es jedoch noch lange nicht. Es gab zwar schon Dörfer entlang der Route, wie z.B. Gurrea de Gallego, ob es dort dann auch noch Läden hat, ist nicht immer so sicher. Und wenn, sind die möglicherweise so winzig, dass man lange nach Haferflocken und Milchpulver suchen kann. Um das herauszufinden, muss man aber natürlich ins Dorf rein, nach Laden und Produkten suchen, nur um dann festzustellen, dass das vergebene Liebesmüh ist. So verblödelt man locker mal rasch eine halbe Stunde oder mehr, die man auf der Strasse viel gewinnbringender hätte einsetzen können. Es hat eben schon seine Gründe, warum wir nach wie vor eher viel Food geladen haben. Bei einer Tankstelle tipo Autobahnraststätte machten wir dann Pause und fühlten uns wie im Zoo, so wurden wir von allen Seiten angestarrt. Und weil wir Hunger hatten und etwas Warmes immer besser ist, bestellten wir getostete Sandwiches. Dann assen wir einige unserer eigenen süssen Dinger und weil die eigentlich viel zu süss waren, musste da gleich noch ein Sandwich her um den Salz-Zucker-Spiegel wieder ins Lot zu bringen.

Freiwillig oder nicht, schliesslich mussten wir wieder in den Regen hinaus. Es war immer noch platt, immer noch keinen Gegenwind, dafür stärkeren Regen als zuvor. Wir passierten San Jorge, später Tardiento, dann Grañen und Lalueza. Es passierte absolut nichts, es gab absolut nichts zu sehen, es war ganz einfach restlos alles nass. Erst als wir in die Nähe des etwas grösseren Ortes Sariñena kamen, wurde die Welt etwas heller, erschien etwas freundlicher und am Horizont tauchte sogar ein heller Streifen auf und man konnte erahnen, dass die Welt eventuell doch noch nicht untergegangen war.

Schlamm im Vordergrund, Lichtblick am Horizont.

Wieder einmal stellte sich die Frage der des Pennplatzes. Wir konnten nicht darauf zählen, wieder ein so praktisches verlassenes Haus zu finden und auf diesem, von zwei Tagen Regen aufge- und durchweichten Boden ein Zelt aufzustellen, selbst wenn es momentan nicht mehr regnete, erschien reichlich utopisch. Man will sich ja nicht gleich in den Schlamm setzen und dort für den Rest seines Lebens stecken bleiben. Ausserdem war Martinas Schlafsack ziemlich feucht, nicht zu reden von ihrer Jacke und ihrer Stimmung, die bei Regen jeweils relativ schnell leidet. So kurvten wir ins Zentrum von Sariñena, fanden ein Hostal und machten wieder einen Unterkunfts-Check, so wie letztmals wohl in Tijuana. 25 Euro für ein Zweierzimmer mit geteiltem Bad erschien uns ok und da die Aussicht auf eine Dusche und Platz, all das nasse Zeugs aufzuhängen, sehr verlockend war, waren wir bald damit beschäftigt, unser Gepäck zum Zimmer hinaufzuschleppen (83.08 km in 4:49 Stunden).

Am Morgen sah das Leben tatsächlich schon wieder viel fröhlicher aus. Der Himmel war zwar noch ganz leicht bewölkt, das gute Wetter war aber auf dem Vormarsch. Und wenn man trockene Sachen einpacken kann, ist das sowieso glücklicher als nasse Kleidung anziehen. Wenn man dann noch eine flache Strasse vor sich hat und von einem freundlichen Wind geschoben wird, dann ist das wohl kaum mehr schlagbar. So ging das rund 25 km lang. Wir surften durch Sena und Villanueva de Sigena und hatten viel zu bald unsere Abzweigung in Richtung Norden erreicht und hatten den Wind dann von der Seite. Plus einen Hügel zum erklimmen. Das machte zwar nicht mehr ganz so viel Spass, sonderlich tragisch war es aber auch nicht. Ausser in den Momenten, wo sich die Strasse im Zick-Zack den Hügel hinaufwand und wir den Wind direkt im Gesicht hatten. Das war nicht nett. Schon flitzten wir aber runter nach Alcoleada de Cinca, wo wir von zwei älteren Herren zum Kaffee und Znüni eingeladen wurden. Sie hätten uns am Abend zuvor im Hostal (das auch eine Bar ist) gesehen und wollten uns etwas sponsern. Ziemlich überrascht nahmen wir das Angebot an und lauschten dann den Geschichten der beiden, von denen wir bestenfalls die Hälfte verstanden.

Und schon ging es weiter, nun wieder mit leicht seitlichem Rückenwind, der mir wieder ein Grinsen auf’s Gesicht pflanzte. Es ist schon supergeil, so vor sich hin zu velölen und mit ganz wenig Kraftaufwand so schnell vorwärts zu kommen. Wir cruisten durch Albalate de Cinca und via Esplús nach Binéfar und dann, nach einer leichten Richtungsänderung hatten wir den Wind wieder fadengerade im Rücken. Das war einfach viel zu schön um wahr zu sein! Wann würden wir wohl aus den Traum erwachen, nur um festzustellen, dass wir in einem verregneten Zelt sitzen und nun in die Nässe und den Gegenwind hinausmüssen? Ok, bis jetzt ist das nicht passiert. Wir fuhren wieder durch Oliven- und Mandelnhaine und erklommen den einen oder anderen Hügel, die für interessante Landschaft sorgten. Es gabh da sogar eine Art kleine Tafelberge.

Storchen-Hochburg...
... Tafelbergli...
... und schon sind wir in Catalunya.

Wir überquerten die Grenze zu Catalunya und in den Dörfern Tamarite de Litera, Alfarrás und Algerri stellten wir dann fest, dass nun alles auf katalanisch angeschrieben ist. Interessanterweise nicht zweisprachig wir in der Region von Pamplona, sondern einsprachig katalanisch. Aber ok, im Falle von Verkehrsschildern versteht man das auch, meistens oder halbwegs jedenfalls. Uns war zwar gesagt worden, katalanisch sei dem spanischen nicht sehr ähnlich, diese Einschätzung teilen wir aber eindeutig nicht. Eigentlich hätten wir noch stundenlange so weiter fahren können, wir wussten aber, dass wir uns einer Stadt annäherten und wollten darum so bald wie möglich einen Nistplatz für die Nacht finden. Auf einer kleinen Anhöhe sahen wir auf die Ebene vor uns, erkannten, dass wildes campen da nicht einfach sein würde, und bogen darum auf eine schmale Seitenstrasse ab, die in die Hügel hinauf führte. Dort checken wir erst ein verlassen wirkendes Gebäude ab, das sich aber als ungeeignet erwies, und entschieden uns dann, uns in bzw. hinter einige Büsche zu schlagen. Windschutz war das Thema Nr. 1, auf Abendsonne verzichteten wir in diesem Fall (95.30 km in 5:1 Stunden). Inzwischen ist es noch vor 20 Uhr stockdunkel, was nichts Gutes erwarten lässt, da bald die Umstellung auf Winterzeit erfolgen wird. Trotzdem ist es cool, Blitzen in der Entfernung zuzuschauen und selber im Licht des fast vollen Mondes zu stehen. Obwohl, lange rumstehen war keine Option, der Wind blies nämlich immer noch, und um diese Zeit war das nun saukalt.

Mandelbüsche wachsen hier...
... und winzige, buschige Eichen.

Wrrr, frier, schlotter, auch der Morgen war ganz schön kühl. So assen wir eben im Zelt Zmorge, wo es immerhin ein klein wenig wärmer, bzw. weniger kalt war. Der Grund, warum das eine Neuheit ist, ist dass es bisher in Spanien meist nicht soo kalt gewesen war und in Kanada war im Zelt essen aus bärtechnischen Gründen untersagt gewesen. Wir waren gerade so schön am Zusammenpacken und ich wollte eben in die Büsche verschwinden, als mich Schüsse ganz in der Nähe wieder heraustrieben. Wir hatten in einer Area Privada de Caça gezeltet und an einem Sonntag Morgen vertreiben sich viele Spanier ihre Zet offensichtlich mit jagen. Wen oder was die da verfolgt haben, wissen wir nicht, wir trauen Jägern aber nicht über den Weg und sind darum so schnell als möglich abgehauen. Der Tag begann mit einer kurzen Abfahrt und dann einer langen Gerade nach Balaguer. Mit leichtem Rückenwind, viel machte der um diese Zeit aber noch nicht aus. Wir kamen durch die Dörfer Bellcaire d’Urgell und La Fuliola und hatten dann schon bald die nächst grössere Ortschaft erreicht. Die katalanischen Verkehrsschilder verstanden wir in diesem Fall nicht ganz, fanden jedoch eine Strasse, die um die Stadt herum führte. Unser nächster Orientierungs-Ort war Tàrrega und das war sogar ausgeschildert, soweit also kein Problem.

Sonderlich spannend war die Strecke aber nicht. Es ging flach mehrheitlich gerade aus mit seitlichem Rückenwind. Zügig passierten wir einige kleinere Dörfer, in Tàrrega fanden wir praktischerweise eine Cafeteria, die draussen eine Arte Zelt oder dreiseitigen Windschutz mit Tischen und Stühlen hatte. Dort konnten wir halbwegs ohne zu frieren etwas trinken und gleichzeitig unseren eigenen Food essen. Inzwischen war der Wind zum Sturm mutiert und als wir wieder in den Sätteln sassen, wurden wir ganz schön hin und her geschüttelt, soo je nach aktueller Richtung der Strasse. Meistens hatten wir aber Rückenwind und der schob uns tatkräftig die nächste, relativ lange Subida hinauf. Extrem chic, sowas! Die folgende Bajada beinhaltete dann so einiges an Action. Erst ging es volle Kraft bergab, nach der nächsten Kurve hatten wir dieselbe luftige Kraft von vorne und in der Biegung darauf natürlich von der Seite. Das war nicht mehr koscher. Gleich darauf wieder mit Rückenwind ging’s wieder blitzartig vorwärts. Nun sind 60 km/h ja eigentlich nichts Neues und insofern auch durchaus ok, aber wenn da noch so eine Wind bläst, von dem man ja nie weiss, wann er das nächste mal eine seitliche Böhe ausspukt, dann ist das etwas riskant. Also besser etwas bremsen. In dem Stil ging es runter durch Solivella, dann flach aber immer noch schnell nach Guàrdia dels Prats, wo wir einen mehr schlecht als recht windgeschützten Ort zum Essen fanden. Der Wind war nämlich nicht nur stark, sondern, im Gegensatz zum Tag davor, auch saukalt.

Nach der Pause änderten wir unsere Fahrtrichtung, hatten also den Wind von der Seite, teilweise sogar fast von vorne. Und es ging einen Bergrücken hinauf. Suboptimal, aber was will man machen. Wir hielten nun Ausschau nach einem Campplatz, was aber schwierig wurde. Jäger könnten ja auch gut am Sonntag Abend rumschleichen und eine weitere Begegnung wollten wir vermeiden. Die unbeliebten Schilder standen aber auch da an fast jeder Kiesstrasse. So wie es aussieht, ist ganz Spanien in private Jagtgebiete aufgeteilt. Erschwerend kam der Wind hinzu. Dem möchte man ja auch nicht völlig ungeschützt ausgesetzt sein. Wir schauten uns diverse Orte an, waren aber nirgendwo so wirklich glücklich. Nicht einmal eine grosse Sporthalle war in der Lage, uns Windschatten zu basteln. Nach Cabra del Camp ging es mal kurz bergab, dann befanden wir uns wieder auf einer Ebene. Wo es zu unserem Unglauben weniger windig war. Es war nun schon um die halb sechs Uhr und wir standen damit ziemlich unter Zugzwang. So schlichen wir uns auf einen Feldweg, der zwischen Weinreben hindurch von der Strasse wegführte. Sehr optimistisch waren wir nicht mehr gestimmt, umso erleichterter waren wir, als wir hinter einem Hügel zwischen Haselnuss-Sträuchern einen flachen, windgeschützten Ort vorfanden. Ausgesprochen hübsch war es da, viel idyllischer als der letzte Pennplatz. Ok, wir wussten ja noch nicht, wie uns der Morgen empfangen würde, aber das Problem der Nacht war erst mal gelöst (89.09 km in 5:29 Stunden).

Es war dann nicht der Morgen, der Überraschungen mit sich brachte, sondern die Nacht. Ich erwachte kurz nach 2 Uhr wegen einem Sturm, der das Zelt durchschüttelte. Der kam aus einer anderen Richtung als der Wind tagsüber, unser Hügeli und die Büsche schützten uns also nicht mehr wirklich. Nach einer Weile entschied ich mich, da rauszugehen um das Zelt fester zu verankern. Am Abend hatten wir es, wie bis anhin immer, nicht für nötig gehalten, sämtliche Heringe einzupflanzen. Als das geschehen war, war mir aber wohler. Wieder einschlafen konnte ich deswegen noch lange nicht, das Getöse des Windes war mit Heringen eben nicht auszulöschen. Am Morgen war dann interessanterweise aber Ruhe. Übriggeblieben war ein leichter Wind von hinten, der uns nach El Pla de Sta Maria schob. Dort schafften wir es dann, uns auf der Karte und dem Planeten zu orientieren und die richtige Strasse in die richtige Richtung zu nehmen. Es war schweinekalt, das Thermometer zeigte 0°C an, was ja ok wäre, der Wind tat aber sein Übriges um uns fast Finger und Zehen abfrieren zu lassen. Wir waren in unseren warmen Jacken gestartet, was schon seit Ewigkeiten nicht mehr vorgekommen war. Martina bewaffnete sich zusätzlich mit Winterhandschuhen, ich mit meinem Buff und es dauerte so einige Zeit bis wir an einer Steigung einiges davon auszogen. Interessanterweise war der Wind fast ganz verschwunden, wir waren also wieder selber für unser Vorwärtskommen zuständig.

Der Fahrstill bzw. eine gewisse Agressivität gewisser Leute liess erahnen, dass wir uns einer grösseren Stadt näherten, und das, obwohl Barcelona noch lockere 80 km weit entfernt war. In El Vendrell loiterten wir bei einer Mall herum, d.h. hängten uns dort in die Sonne und stopften uns mit Süssigkeiten voll. Irgendwie ist Schokolade ihren Rang in letzter Zeit etwas losgeworden. Speziell Milka, von der wir in Pamplona gleich zwei grosse Tafeln gekauft hatten (weil Aktion), hatte einigermassen für eine Überdosis gesorgt. Dafür war Kondensmilch ins Spiel gekommen und die hatte ihren Neuheitswert noch nicht verloren. Die gibt es in Tuben zu kaufen und die Bildli darauf sprechen deutliche Sprache. Die sind für Wanderer und Velofahrer gemeint, wohl so als eine Art Energie-Gel. Und da sie bedeutend feiner ist als jedes offizielle Energie-Gel, sei es von Power Bar, Squeezy oder was auch immer, hat sie da leichtes Spiel.

Weiter ging es auf einer jener Nationalstrasse, die zwar keine eigentlichen Autobahn war, die auch pro Richtung nur eine Spur hatte, sonst aber teilweise schon Autobahn-ähnliche Merkmale aufwies, wie z.B. eine riesige Menge Verkehr, aber oft auch einen breiten Seitenstreifen. Diesmal kamen wir aber nicht weit, d.h. die Autos kamen nicht weit. Da gab es nämlich eine Baustelle und unsere Spur war gesperrt. Was uns nicht daran hinderte, auf erwähntem Seitenstreifen an den wartenden Autos vorbeizufahren. Gleich darauf wurde aber die andere Seite gesperrt und unsere Spur geöffnet. Zum Glück war die Baustelle ganz lang und so mussten all die ungeduldigen Auto- und Lastwagenfahrer schön brav und langsam vorbeifahren. Währenddessen studierte ich den Stau, der sich auf der Gegenfahrbahn innert kürzester Zeit gebildet hatte. Speziell richtete ich meine Aufmerksamkeit auf die Reifen der Lastwagen, die auch hier in Spanien sehr oft nicht mehr sonderlich viel Profil aufweisen. Weiss nicht, ob die in der Schweiz so noch erlaubt wären, aber ich hegte den Verdacht, dass dem nicht so wäre.

Zehn Kilometer weiter hatten wir den Stau dann „überholt“, d.h. wir grinsten die Autofahrer auf der anderen Seite an, die nicht wussten, dass ihnen gleich darauf eine längere Warterei bevorstand. Bald war aber auch uns das Grinsen vergangen, jetzt herrschten nämlich waschechte Autobahn-Bedingungen und es war volle Konzentration gefragt speziell bei der Manövrierung durch Ein- und Ausfahrten in einem Verkehr, wo die Leute ganz gewiss nicht mit Radfahrern rechnen. Nicht, dass unsere Anwesenheit da illegal gewesen wäre, aber zumindest äusserst unüblich und damit unerwartet. So ging das eine ganze Weile, es war flach, die Landschaft uninteressant, das Wetter aber ganz angenehm. Bei einer kleinen, desolat wirkenden Tankstelle machten wir Pause, assen Zmittag und genossen die Sonne. Nach einem riesigen Kreisel mit Anschluss zur Autopista nahm der Verkehr ab und unsere Strasse hatte wieder mehr Landstrassen-Charakteristiken. Uns stand nun die letzte Steigung vor Barcelona bevor, was die Sache spannender machte und uns durch hübsche Wälder und das Dorf Ordal mit sehr prominentem Kirch- oder Festungsturm führte.

Einfahrt ins Dorf Ordal.

Die Pt. Ordal war nicht ganz 500 m hoch, dann ging es fetzig und eiskalt hinunter nach Les Casets d'En Julià und Vallirana, wo wir bei einem Kreisel mit nur Ausfahrten auf die Autopista stecken blieben. Ein Blick auf die Karte verriet, dass wir etwa hundert Meter zurück und dort die Abzweigung nach Cervelló nehmen mussten. Ab da ging es erst durch kleinere, später grössere Dörfer und verkehrsreiche Agglo nach Barcelona. Auch ÖV Busse mischten sich ins Geschehen, verhielten sich aber unerwartet berechenbar. Insgesamt war die Annäherung und Einfahrt nach Barcelona, mit Ausnahme jenem Stück „pseudo Autobahn“, gar nicht so schlimm wie angekündigt und daher erwartet gewesen. Klar, Stadtverkehr ist anstrengend, speziell, wenn man den Weg nicht kennt, die Strecke sich dahinzieht und die Strassen nicht immer angeschrieben sind. So fragte ich ein paar Mal nach, wir waren immer richtig und fanden schliesslich die Adresse unseres Warmshowers kurz nach halb sieben Uhr (98.37 km in 6:04 Stunden). Auf unser Läuten antwortete niemand, José kam aber zwei oder drei Minuten nach uns nach Hause.

Unsere Sachen in die Wohnung zu bringen, war ja nicht das Problem. Sie dann aber in Josés Zimmer zu verstauen, schon eher. Er wohnt in einer WG mit vier Zimmern, wo, wenn alle da sind, sieben Personen wohnen. Sein Zimmer, das er uns abtrat, hat die Grösse einer kleinen Gefängniszelle (ist auch etwa so dunkel), so dass wir unsere Sache da kaum reinbrachten. Und da mussten wir über Nacht noch eine Matte auslegen und tagsüber einen Gang zum Waschräumli freihalten, in das man nur via Josés Zimmer reinkommt. Generell sind spanische Wohnungen eher komisch, so schlauchartig angelegt und Tageslicht ist da öfters eine Rarität. Fenster zeigen nicht wirklich nach draussen, sondern in einen winzigen Hof, wo nicht viel Licht eindringt. So haben wir noch einen anderen WS kontaktiert, der erst ab dem 30. Oktober verfügbar war und nun unseren Umzug auf heute Abend abgemacht. 

Dienstag, 23. Oktober 2012

Madrid - Pamplona: Immer no Schoggisucht


Am 12. Oktober war es dann endlich so weit: wir waren bereit für den letzten Abschnitt unserer Reise, von Spanien über Frankreich in die Schweiz. Gemäss unseren Berechnungen/Schätzungen sind das um die 2‘000 km, die wir in plus/minus sechs Wochen abstrampeln wollen. Ushuaia – Vancouver waren rund 30‘140 km gewesen. Sehr weit erschien uns die Distanz in die Schweiz also nicht mehr. Alicia y Alvaro, muchisimas gracias por todo, ustedes son estupendos! Pasamos un muy buen tiempo en Boadillo del Monte y esperamos verlos un dia en Suiza. Tambien mucho suerte con todos sus proyectos! Ja, in der Tat waren Alicia und Alvaro unschlagbare Hosts, die uns mit viel Rat und Tat zur Seite gestanden sind.

Nun ging’s also los. Alicia hatte uns den Weg aus dem Dorf erklärt und so war es kein Problem die richtige Strasse zu finden. Im Vorbeiweg tankten wir noch Benzin und dann waren wir komplett. Die ersten Kilometer brachten nur leichtes Auf und Ab aber davon wir liessen uns nicht täuschen. Wir wussten, dass wir das Sistem Central durchqueren mussten und dass das mit vielen steilen Steigungen verbunden sein würde. In Brunete fanden wir den Wasserturm, der uns als Orientierung dienen sollte und an dem vorbei ein Feldweg ins nächste Dorf führte. Nach Quijorno begann bald eine lange Steigung und wir hofften, dass die grau drohenden Wolken nicht ernst machen würden. In Navalagamello machten wir auf dem Dorfplatz Pause und wurden schon bald von einer Gruppe Jungs in Beschlag genommen, die uns alle möglichen und unmöglichen Fragen stellten. Was auffiel, war, dass die Kinder hier viel mehr mitdenken als selbst die Erwachsenen anderso und sie schienen sogar eine ungefähre Vorstellung davon zu haben, wo Argentinien liegt.

Neugierige Chicos in Navalagamello.

Weiter ging’s, immer bergauf. In Fresnedillas de la Oliva verpassten wir eine Abzweigung und da es bergab gegangen war, mussten wir das alles wieder zurück. Die richtige Strasse führte selbstverständlich weiter bergauf und immer weiter bergauf bis auf einen Pass. Mir taten die Knie und Oberschenkel weh vom vielen bergauf fahren dass sich meine Beine nach der längeren Pause nicht mehr gewohnt waren. Gleich nach dem Pass machten wir Mittagspause und freuten uns auf die Abfahrt nach Robledo de Chaleva. Dort fragten wir beim ersten Zweifel nach und fanden so die Abzweigung nach Valdemaqueda auf Anhieb. Zu unserer Überraschung ging es nochmals ein ganzes Stück bergab, dann aber, wie immer, auch wieder aufwärts. Da wir einigermassen kaputt waren, fragten wir bei einem Campingplatz nach den Preisen. E 5.25 / Person plus E 4.50 / Zelt war uns aber zuviel. So pedalten wir weiter den Hügel hinauf, tankten im Dorf Wasser und suchten uns einen unoffiziellen Campspot. Den wir auch fanden, versteckt am Rand eines wunderschönen Pinienwaldes und da es erst etwa 16.30 Uhr war, auch noch mit Abendsonne. Ein Plus war, dass wir weit genug von der Strasse weg waren, um vom Lärm kaum mehr gestört zu werden (55.57 km in 4:34 Stunden).

Tagebuchschreiben im Wald-Camp.
Thematisches Abendessen.

Wir hatten eigentlich um 7 Uhr aufstehen wollen, irgendwie klappte das aber nicht. So wurde es eben halb acht. Trotzdem waren wir um 9.15 startklar, in der morgendlichen Kälte noch mit einigen Schichten bewehrt. Da es aber erst mal kurz bergauf ging, wurde uns bald warm. Schon folgte aber eine Abfahrt ins Dorf El Hoyo de Pinares, wo wir, nach gerade mal einer Stunde, kurz Pause machten und etwas assen. Kornflakes taugen als Frühstück offensichtlich nicht sonderlich viel. Und dann, wer hätte das gedacht, ging es wieder bergauf. Schön steil und mit schönem Sonnenschein. Die Landschaft war eigentlich recht cool mit ganzen Feldern von runden Felsen und dazwischen grosse, schöne Bäume. Die unzähligen Motorrad-Fahrer, die uns rücksichtslos und laut dröhnend um die Ohren flitzten, begannen allerdings langsam zu nerven.
Foto Schild Motorradfahrer.

In Navalperal de Pinares assen wir um 12.20 Uhr ungewöhnlich früh Zmittag. Bei einer Tankstelle füllten wir anschliessend unsere Wasserflaschen, da uns eine 25 km lange Strecke mit zwei Pässen aber ohne Ortschaften bevorstand. Momol, scho no krass... Und schon ging es wieder bergauf, diesmal aber auf einer schmalen Strasse praktisch ohne Verkehr. Wunderbar. Schon lange hatten wir gesehen, dass da oben Windmühlen standen, die im Unterschied zu jenen in Lateinamerika auch funktionierten. Als wir auf dem Pass Porto de la Lancha, 1‘485 müM, ankamen, sahen wir, dass auch der nächste Hügel mit weissen Propellern verziert war. Aber erst mal flitzten wir ins Tal hinunter, wo ein Fluss sogar noch Wasser führte. Das hatten wir noch nicht oft gesehen, bis jetzt waren fast alle Flussbetten ausgetrocknet gewesen.

Achtung Töfffahrer oder Töfffahrer, passt auf???
Ungefähr so sah es tagelang aus.
Bergrücken sind kilometerlang mit Molinos verziert.

Nun folgte der letzte Anstieg des Tages, hinauf zum Pto. de la Curz de Hierro mit 1‘467 müM. Die Rinder und Pferde die neben der Strasse weideten, trauten uns nicht und zogen Leine, die Windräder schienen nicht weiter beeindruckt und drehten sich gemütlich weiter. Auf dem letzten Pass des Tages gab’s nochmals eine kurze Pause und schon fetzten wir hinunter in die Ebene. Wir wussten nicht genau, wie einfach oder kompliziert es da unten sein würde, einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Wir fuhren bis ins Dorf Villacastin, v.a. um Wasser zu tanken. Auf dem Weg aus dem Dorf heraus sahen wir jemandem auf einem Fussballplatz arbeiten und gingen fragen, ob man dort allenfalls zelten dürfte. Nein, war die Antwort, aber daneben auf dem unbenutzten Gelände des Viehmarktes sei das möglich. Dort stellten wir nach einigem Zögern unsere Hütte auf und niemand der zahlreichen Spaziergänger, Töfffahrer und Frisbee-Spieler sagte oder fragte auch nur irgend etwas (61.03 km in 5:21 Stunden).

Morgens um 6.15 Uhr begann es zu regnen und ich fragte mich schon, ob das schöne Wetter nun vorbei sei. Der Spuk dauerte aber nur ein paar Minuten und als wir aufstanden, war der Himmel wieder klar. Wir starteten auch noch bei Sonnenschein, bald wurde aber klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis wir nass werden würden. Wir zielten nämlich genau dorthin, wo die dunklen Wolken lauerten und die grauen Schleier waren unmissverständlich. Erst genossen wir aber nochmal ein paar Abfahrten und auch die Steigungen dazwischen waren gar nicht so schlecht, weil die uns wieder aufwärmten. Als wir von der Hauptstrasse abbogen, wurde die Landschaft bügelbrett-flach und um uns herum waren nur noch abgeerntete Felder. Durch das Dorf Abades fuhren wir hindurch, in Valverde del Majano entschieden wir uns, in einer Bar einen Kaffee zu trinken. Und weil es so fein klang, bestellten wir noch Sandwiches Mixtos con Huevo. Zum Kaffee, der hin standardmässig in kleinen Espresso-Tässlis serviert wird, erhielten wir noch zwei Stücklein Tortilla, im Preis inbegriffen. Auch die Sandwiches beeindruckten uns, dreistöckig, mit frischem Spiegelei und so richtig fein.

Mmmmm, jamm....

Als wir aus der Bar rauskamen, begann es zu regnen und gleich darauf zogen wir die gesamte Montur an. Wir unterquerten eine grössere Strasse, passierten die kleine Ortschaft Valseca und kreuzten eine Autobahn, dann befanden wir uns wieder im Land der kleinen Strässchen. Und der starke Regen liess langsam nach und ab und zu kam fast die Hoffnung auf Sonne auf. Vergeblich allerdings. Das coolste dieses Tages war der Rückenwind, der uns das Vorwärtskommen merklich erleichterte. Der uns allerdings auch die Mittagspause im Bushäuschen neben Otones de Benjumea vermieste. Die läppische Hütte hatte nämlich keine Tür und so pustete sich uns die kalte Luft pausenlos um die Ohren. Als wir weiter fuhren, hatte sich der Schub von hinten noch verstärkt und wir flogen nur so dahin. Mit Turégano erreichten wir eine etwas grössere Ortschaft, die auch eine Burg aufzuweisen hatte. Nicht so schön in Stand gesetzt wie anderswo und mit Ringmauern, die sich im fortgeschrittenen Stadium des Zerfalls befinden, aber eine Burg nichts desto trotz.

Castillo de Turégano.

Blöderweise änderte die Strasse danach leicht die Richtung und wir hatten den Wind nun von der Seite. Aber was soll’s, immer noch besser als von vorne. Später wurde es wieder nass, so dass wir vom Kaff Cabezuela nicht sehr viel sahen und in Cantalejo, wo es regelrechte Sturzbäche regnete, standen wir kurz unter in einem verlassenen Gebäude, v.a. um es als möglichen Übernachtungsplatz abzuchecken. Aber eigentlich wollten wir noch etwas weiter und der Regen beruhigte sich auch schnell wieder. Also bei der Tankstelle Wasser auffüllen und wieder aus ins Gefecht. Fuenterrebollo war das letzte von so vielen Dörfern, durch die wir im Laufe des Tages durchrollten. Ziemlicher Unterschied zu Kanada, wo man bestenfalls auf ein paar wenige Ortschaften pro Tag trifft. Seit dem ersten Tag nerven uns aber Schilder mit der Aufschrift „Coto Privado de Caza“. Was wir in etwa mit „Privatem Jagdrevier“ übersetzen, die aber überall stehen, auch bei Stoppelfeldern z.B. oder neben Weiden.

Wir fanden aber tatsächlich ein kleines Wegli ohne fiesem Schild und setzten uns von der Strasse ab. Der Boden war sandig und für Velos nicht so geeignet, aber gross eine Wahl hatten wir ja nicht. Wir fuhren ein paar hundert Meter von der Strasse weg und wanderten dann eine Weile herum auf der Suche nach dem besten Campspot. Wir hatten die Wahl zwischen Baumgruppen und vertrockneter Wiesen. Aus Wind- und Sichtschutz-Gründen bevorzugen wir immer Bäume und auch hier fanden wir ein kleines, relativ dichtes Wäldli mit bequemen Nadelboden. Als wir allerdings die Velos dorthin schoben, entdeckten wir ein weisses Auto weiter vorne. Oh Shit, der hat uns bestimmt gesehen. Wir warteten mal ab, das Auto fuhr dann aber weg und weiter passierte nichts. Wir warteten nochmals kurz ab, ob allenfalls jemand zurückkommen würde, aber nein. Also Zelt aufstellen, Zeit bis zum Znacht mit Schokolade überbrücken und mit einiger Sorge den dunklen Himmel beobachten und dann mit Erleichterung feststellen, dass das Gewitter in einiger Entfernung vorbeizieht (90.02 km in 5:22 Stunden).

Am Morgen frohren wir ganz schön, logisch bei -1°C. Die gelben Gräser waren alle mit einer glitzernden Schicht Reifen bedeckt und wir warteten sehnlichst auf die Sonne, die sich aber lange Zeit liess, hinter dem Horizont hervorzukriechen. Auch auf der Strasse, nun mit Sonnenschein, frohren wir und v.a. unsere Finger und Zehen noch stundenlang. Zu allem „Elend“ war es immer noch platt, bzw. ging sogar leicht bergab, was natürlich keine Abhilfe schaffte. In Navalilla schon wieder (Aufwärm-)Pause zu machen, wäre noch etwas früh gewesen, in San Miguel de Bernúy wären wir dazu bereit gewesen. Wenn nur das blöde Restaurant offen gewesen wäre. Stattdessen wärmten wir uns an einer längeren Steigung, was den gleichen Zweck erfüllte. Aus der erwarteten, ebenfalls längeren Abfahrt wurde nichts. Nur kurz ging’s bergab, dann platt geradeaus mit kaum einer Kurve. Im winzigen Caserio de San Jose fragten wir einen älteren Herrn, ob es im Dorf eine Bar gäbe. Nun ja, meinte er, die gibt es schon, öffnet aber erst am Nachmittag. Das Systems sei so eine Art Selbstbedienung und wer zahlen will, tut‘s, wer nicht will, tut’s nicht. Klang sympatisch, nützte uns im Moment allerdings nichts. Wir fanden aber ein sonniges aber windgeschütztes Plätzchen für unsere Pause und waren damit auch glücklich. Ja, und mit der obligatorischen Schokolade, wahlweise in Form eines Twix oder meiner grossen „Valor“-Tafel.

Eiskalter Morgen.
Altiplano Español.
Vertrocknete Sonnenblumen.

Weiter ging’s, immer noch durch leere Felder und plötzlich kam so quasi der Rest der Abfahrt. Die Hochebene endede aprupt und wir sausten hinunter zur nächsten Ebene. Valdezate liessen wir links liegen und strebten weiter in Richtung Roa. Dort planten wir, unseren WS Host in Burgos anzurufen. Die Tankstelle verfügte aber über kein öffentliches Telefon und ins Dorf hinaufzufahren hatten wir wenig Lust. Martina gelang es aber, jemandem ein Handy auszuleihen und so war das Problem gelöst. Wir wählten wieder die schmalste aller möglichen Strassen, was sich wie üblich mit wenig Verkehr auszahlte. Wir befanden uns nun mitten in Weinanbaugebiet und hätten gerne ein paar Trauben geklaut, es waren aber immer Leute in der Nähe mit der Ernte beschäftigt. Also keine Trauben für uns. In Anguix setzten wir uns in die Sonne und assen Zmittag. Tortillas sind ja gut und recht, wenn aber eine Füllung im Stil von Bohnenpaste fehlt, wird das Ganze etwas witzlos.

Es folgte das Dorf Olmedillo de Roa, nun wieder in hügeliger Landschaft. Wir sahen keine Reben mehr, was blieben waren die üblichen braunen und braun-gelben Felder, hier immer mal wieder von Steinhaufen oder halb verfallenen Steinhütten unterbrochen. Die nächsten Dörfer waren Torresandino und Villafruela, in Espinasa de Cerrato fanden wir einen Brunnen und füllten unsere Wasser-Reserven. Wenige Kilometer darauf fanden wir einen halbwegs sichtgeschützten Platz neben einem überwucherten Fussbalfeld (84.01 km in 5:08 Stunden). Der Bauer, der später mit seinem Traktor an uns vorbei fuhr, hatte an unserer Anwesenheit nichts auszusetzen und sonst kam niemand in die Nähe. Der Abend war kalt wie der Morgen, umso mehr genossen wir die letzten Sonnenstrahlen bevor die Sonne definitiv verschwand.

Der letzte Tag vor Burgos wäre nicht weiter erwähnenswert gewesen, wenn sich nicht irgendwelche doofen Käfer Zutritt zu unseren Magen-Darm-Sytemen verschafft hätten. Wir beide fühlten uns nicht fit, uns war mehr oder weniger übel und gut geschlafen hatte auch keine. Das einzig Positive an jenem Morgen war, dass es, da leicht bewölkt, nicht so kalt war, wohl so um die 7 °C.. Der Wind, der bald aufkam, sorgte natürlich trotzdem für einiges an Abkühlung, blies aber netterweise wieder von hinten, und das, speziell wenn’s bergauf ging, mit spürbarer Kraft. Die Landschaft war immer noch in Pastellfarben gemalt, die selben kahlen Felder, ab und zu mit einem Traktor, der die Oberfläche bearbeitete. Es reihten sich wieder einige Dörflis an der Strasse auf, zuerst Torrepadre, dann Santa Maria del Campo. Sta. Maria hatte eine jener grossen Kirchen, die eher aussehen wie eine Festung denn ein Gotteshaus. Die nächsten Käfflis waren Ciadoncha und Presencio, das eine richtige Stadtmauer mit Tor und eine Altstadt hatte.

"Stadt"tor in Presencio.

Drei, vier weitere kleine Ortschaften lagen neben der Strasse, die letzte, die wir vor Burgos so richtig wahrnahmen war Villagonzalo Pedernales. Von dort aus waren es nur noch wenige Kilometer, dann hatten wir Burgos schon erreicht. Wir fanden eine der selten gewordenen Telefonkabinen und riefen Alvaro an, einen Freund des Biciclowns, bei dem wir wohnen durften. Er stand auch kurz darauf da, fuhr dann mit dem Auto voraus und wir hinterher. Er brachte uns in eine Wohnung im 7. Stock einer grösseren Überbauung (53.40 km in 3.30 Stunden). Er und seine Familie wohnten seit einiger Zeit bei seiner Mutter, die Wohnung war also nicht bewohnt. D.h. wir hatten die Luxusbleibe für uns alleine. Auch nicht schlecht, wenn man nicht so fit ist.

Das Einzige, was wir in Alvaros Wohnung nicht hatten, war Internet. So lieh Alvaro einer Kollegin kurzerhand so ein komisches Vodafon-Gerät aus, in der Hoffnung, damit irgendwoher ein ungesichertes Netz zu empfangen. Hat aber nicht funktioniert. Also hat er bei den Nachbarn angeklopft und nach dem Passwort ihres Netzes gefragt. Und es auch bekommen, eine Internetverbindung kriegten wir trotzdem keine zu Stande. So versuchten wir es am Morgen darauf in der Bibilothek. Deren Netz ist Wifibur, bei dem man sich registrieren muss. Mit obligatorischer Telefonnummer, denn dahin wird einem das Passwort geschickt. Ich habe nun kein Telefon, Martina hatte ihres nicht dabei. Im Büro von Wifibur könne man sich registrieren lassen, auch wenn man keine Tel.-Nr. habe, meinte der Herr der Bibilothek. Nach einigen Irrwanderungen durch die Stadt fanden wir gesagtes Büro, fanden dort aber heraus, dass der Nutzer-Typ, den sie einem dort erstellen können, nur für öffentliche Plätze funktioniert, nicht aber für die Bibliothek. Nun, in Burgos ist es wegen dem dauernden Wind relativ kalt und wir sind nicht übermässig motiviert, längere Zeit draussen rumzusitzen. Beim Turi-Büro könne man sich aber einen Wifibur-Nutzer erstellen lassen, auch mit einer ausländischen Telefonnummer und das Passwort direkt erhalten. Das würde also auch ohne physisches Telefon funktionieren. Das war zumindest die Meinung der beiden Wifibur-Damen.

Eingang zur Altstadt in Burgos.
Catedral de Burgos.
Nochmals Catedral.

Wieder auf der Plaza setzten wir uns erst mal auf eine kalte Steinbank bis sich unsere Mägen wieder etwas normalisiert hatten. Die würden lieber Siesat anstatt Urban Hiking betreiben. Also zurück zur Informacion Turistica, wo wir uns zuvor schon Stadtkarten beschafft hatten. Dort schilderten wir unser Problem nochmals, ganz so simpel, wie das zuvor getönt hatte, war die Sache aber nicht. Für uns das Einfachste sei, in die Cafeteria Garbo zu gehen, dort gäbe es gratis Wifi. Nach einem Mal Nachfragen hatten wir jene Beiz denn auch gefunden, für unser unruhiges Innenleben einen Tee bestellt und das Internet getestet. Hat aber auch hier nicht funktioniert. Scheint, als hätte Burgos etwas gegen uns oder unsere Compus. Für mich allerdings fast noch frustrierender ist, dass ich nun in einer Cafeteria sitze, wo es Chocolate con Churros gäbe, ich mich aber nicht getraue, so etwas zu essen. Man will ja keine ohnehin schon wachen Hunde weiter reizen. Überhaupt gibt es hier jede Menge feiner Sachen, die auch meine seit Kanada gezüchtete Schokoladensucht weiter pflegen würden, ich habe aber keine Lust auf nichts. Ziemlich bekloppt, sowas. Und mein Card Reader funktioniert auch nur noch jedes zweite oder dritte Mal und ist damit eines jener zahlreichen kleinen Dinge, die kaputt gehen und damit vermuchlich nur eins ausdrücken wollen: es ist Zeit, nach Hause zu gehen.

... ... ...

Wir sind also einen Tag länger als geplant in Burgos geblieben, haben je eine unseren famosen peruanischen Pillen geschluckt und uns tags darauf wieder relativ ok gefühlt. Hoch lebe das Antibiotikum... naja, oder zumindest so ähnlich. Am Freitag sind wir dann, trotzt obermiesem Wetterbericht weitergefahren. Alvaro, muchas gracias por tu ayuda, especialmente por dejarnos ese apartmento estupendo, estaba supercómodo allá. Nun gut, Regen hin oder her, wir fanden den Weg aus der ja nicht sehr grossen Stadt Burgos hinaus und steuerten unsere Drahtesel in Richtung Osten mit leichtem nordwärts Drall. Das nächste Ziel hiess Pamplona. Unsere Strecke verlief mehr oder weniger dem berühmten Camino de Santiago, dem Jakobsweg entlang, wobei wir allerdings nicht den Kiesweg sondern die asphaltierte Strasse wählten. Wir sahen den Weg aber häufig, da der öfters unmittelbar neben der Strasse verläuft. Für Wanderer wohl nicht übermässig interessant.

Der Tag begann flach und sogar mit einem kleinen Stückli blauem Himmel, das sich zwar nicht durchsetzen konnte, der angesagte Regen blieb aber aus. Wir kamen durch die Döfer Castañares, Zalduende und Villamorica und dann kam erst mal ein Pass, der Puerto de la Pedraja mit seinen immerhin 1‘230 müM. So krass war das aber nicht, Burgos liegt nämlich auf etwa 800 m. Die Abfahrt nach Villafranco hinunter war zwar recht kühl und von ganz feinem Regenstaub begleitet, aber fetzig und deswegen wie immer cool. Dann hatten wir Hunger, wegen dem kalten Wind aber überhaupt keine Lust, uns irgendwo hinzusetzen, wo es keine festen Mauern ringsum hatten. So wählten wir schiesslich eine Art Restaurant oder Bar und assen dort nicht allzu teure Huevos con Chamiñones. Was eigentlich doof war, da wir wieder einmal eine riesige Menge Food mitschleppten.

Flach ging es weiter, wieder durch eine Menge kleinerer Ortschaften mit Namen, die sich eh niemand merken kann: Espinosa del Camino, Tosantes, Belorado, Castildelgado und Redecillo del Camino. Um ein grösseres Dorf, Santo Domingo de la Calzada, machte die Strasse einen grossen Bogen und verwandelte sich plötzlich in eine Autovia. Autovias stellen für uns etwas unklare Tatbestände dar, da Velos dort eigentlich nicht erlaubt sind. Nun gibt es aber Ausnahmen überall dort, wo es keine anderen Strassen mehr gibt. D.h. wenn es an der Einfahrt ein Verbotsschild hat, dürfen wir nicht rauf, wenn es keins hat, schon. Wir nahmen jetzt mal an, dass wenn wir kein Verbot antreffen, dann wird das schon in Ordnung sein. Angehupt hat uns auf jedenfall niemand und kein Polizist kam um uns runterzupflücken.

Nope, wir dürfen nicht auf die Autovía.
Felshöhlen in der Nähe von Nájera.

Entgegen dem Wetterbericht war es den ganzen Tag über fast trocken geblieben und erst als wir in Richtung Nájera abbogen, begann es zu tröpfeln. Dort fanden wir eine Alberge del Peregrino, eine Pilger-Herberge, wo wir aber nach Credenciales gefragt wurden (90.41 km in 5:05 Stunden). Die wir nicht hatten. Das führte zu einer längeren Diskussion zwischen zwei der Betreuerinnen ob, oder ob nicht, wir beide dort übernachten durften. Die eine fand, es sei ein Verbrechen, uns wegzuschicken, die andere meinte, sie würde uns ohne Credenciales nicht registrieren. Schlussendlich durften wir bleiben, was offensichtlich ein Regelverstoss war, den wir aber sehr zu schätzen wussten. Wir fütterten denn auch pflichtgemäss die Spendebox, einen fixen Preis gab es in jener Alberge Municipal nämlich nicht. So verbrachten wir also einen unterhaltsamen Abend mit einem Haufen „Pilgern“ in der gemütlichen Albergue, die mit Küche, Aufenthalts- und Essraum, mit einem 60er-Schlafraum und prächtigen, heissen Duschen ausgerüstet war. An solchen Orten gelten recht strickte Regeln, z.B. ist um 22 Uhr Lichterlöschen, frühstens um 6.30 Uhr Licht anzünden und bis 8 Uhr muss man wieder weg sein. Interessant ist allerdings schon, wie gewisse Leute völlig unbeeindruck nach Mitternacht ins Dorm reinspazieren und sich dabei in voller Lautstärke unterhalten.

60er Schlag.

Um 8 Uhr auf der Strasse zu stehen, hat gewisse Nachteile. Z.B. jenen, dass es in Spanien um diese Zeit noch fast stockdunkel ist und wir über keine starken Scheinwerfer-Anlagen an unseren Bicis verfügen und uns darum unter solchen Umständen nicht in den Verkehr wagen möchten. Also setzten wir uns in eine Bar und tranken einen eher widerlichen Kaffee. Um etwa 8.45 Uhr stürzten wir uns dann ins Gewühl. Auf Asphalt kamen wir allerdings nicht sehr weit. Bald war nämlich Schluss mit kleinen Strassen, was blieb war die Autovia mit Prohibicion de Bici und der Camino de Santiago. So holperten wir halt wieder einmal auf klebriger Kiesstrasse durch die Felder. Das gibt warm und da es noch immer nicht regnete, zogen wir die uns überhitzende Montur nach nur wenigen Kilometern wieder aus. Ein so stark bewanderter Weg bracht ausser viel „Verkehr“ den Nachteil mit sich, dass man nicht mehr jeder Zeit mal kurz hinter den nächsten Busch kann, sondern sich seine Klo-Stopps etwas genauer aussuchen muss.

Zum Glück fanden wir bald wieder ein Stück Strasse, wo wir bedeutend zügiger vorwärts kamen. Später schlichen wir uns mangels rot-weissen Schildern wieder auf die Autovia, was uns ein paar Kilometer vor Logroño mit den Cajetas de Peaja, den Mautstellen wieder verdorben wurde. Wir nahmen die nächste Ausfahrt und dann wieder den Pilgerweg ins Zentrum der Stadt. Hügeli auf, Hügeli ab kurvten wir im Slalom um teilweise ganze Herden von Peregrinos und in einem Naherholungsgebiet verirrten wir uns, wurden von hilfsbereiten Spaniern aber immer wieder auf den richtigen Weg geschickt. In Logroño fanden wir auch eine Informacion de Peregrinos und besorgten uns dort Credenciales, nur so für den Fall, dass es uns wieder in eine Pilgerherberge verschlägt. Es regnete nun schon seit Stunden wieder und wir hatten es langsam satt.

Jakobsweg, hier auf der Strasse.

Nach Logroño wurde es hügeliger, was natürlich zu erhöhter Schweiss- und damit Dampfbildung führte. Selbst sogenannt atmungsaktive Kleidung mit sämtlichen Lüftungsschlitzen geöffnet kann dem nicht vorbeugen, insgesamt war ich mit meiner NorthFace ProShell GoreTex-Jacke aber immer noch sehr zufrieden. Martina hatte sich in den USA auch eine neue NorthFace-Jacke gekauft, eine ActiveShell. Die hatte mit den USD 350 zwar nur halb soviel gekostet wie meine, wir gingen aber in aller Überzeugung davon aus, dass eine GoreTex-Jacke locker einigen Stunden Regen trotzen kann. So kann man sich wieder einmal täuschen. Wie Martina schon in Kanada vermutet hatte, hatte der Preisunterschied noch ganz andere Gründe als nur die Tatsache, dass ich meine Jacke in der Schweiz (= Hochpreisland) und sie in den USA gekauft hatte. Ihre Jacke war nämlich nach nur wenigen Stunden im Regen bis innen ziemlich feucht, meine nicht einmal nach einem ganzen Tag. Und dieser Unterschied ist nicht nur mit mehr oder weniger schwitzen zu erklären.

Es pisste also unbeeindruckt den ganzen Tag weiter weiter. Kurz nach 17 Uhr sahen wir das Dorf Villamayor de Monjardin da oben am Hügel liegen. Also gut, dann steigen wir eben auch noch auf diesen letzten Hügel hinauf. Da oben fanden wir erwartungsgemäss eine Albergue del Peregrino, diesmal aber eine mit ganz konkreten Preisvorstellungen: Euro 7 / Person plus, optional natürlich, Euro 10 für’s Abendessen (71.58 km in 5:19 Stunden). Küche zum selberkochen gab es aber nicht und sich da mit Kocher und Pfanne in den Regen hinauszusetzen war auch nicht gerade die Topvorstellung. Einen Aufenthaltsraum gab es diesmal nicht wirklich, die Duschen verhielten sich eher wie zickige Latinas, dafür waren die Zimmer viel kleiner. Wir hatten einen 6er-Schlag und nur vier Betten waren besetzt. Ok, im 60er-Zimmer tags zuvor waren auch nicht mal die Hälfte der Betten besetzt gewesen. Das Essen war für unsere Verhältnisse zwar teuer gewesen, es war aber auch wirklich gut und seinen Preis durchaus wert.

Im Regen Velos zu bepacken, die die ganze Nacht im Regen verbracht hatten, ist deprimierend. Wir hatten zwar den Tarp darüber gespannt, trocken war aber natürlich nichts, dabei hatte meine Kette schon tags zuvor den Wunsch nach Öl geäussert. Nun, bis Pamplona würde es schon reichen. Die Landschaft war wieder hügelig und wir mussten immer mal wieder nach Seitenstrassen suchen. In Estella-Lizarra landeten wir fast auf der Autovia als ein Autofahrer uns abfing und in die richtige Richtung wies. Dort stellten wir auch fest, dass wir uns offensichtlich in einer baskisch-sprechenden Region befanden. Nicht, dass wir etwas verstanden hätten, aber was für eine zweite, so komische Sprache könnte da schon gesprochen werden. Weiter ging’s, auf und ab wie so üblich durch kleine Käfflis mit Namen wie Lorca, Cirauqui oder Mañeru. Als wir einmal gerade eine Steigung hinaufkrabbelten, lichtete sich der Himmel und wir hätten schon fast blauen Himmel durch die dünne Wolkenschicht erahnen können. Wow, ein Lichtblick. Wir setzten uns unter ein Bushaltestellen-Dach um Pause zu machen und kaum hatten wir ein paar Snacks ausgepackt, schiffte es schon wieder in Strömen.

Spanisch und baskisch.
Oliven-Anbaugebiet.

Da wir und die Velos aber eh schon so nass waren, wie wir je werden konnte, war’s eigentlich gar nicht so relevant. So fuhren wir eben weiter durch den Regen. Puente de Reina war eine kleine, hübsche Stadt mit vielen schönen, historischen Gebäuden. Aber was will man schon anschauen oder knipsen wenn der Himmel gerade daran ist, die Flüsse über die Ufer zu scheuchen und die Erde zu ersäufen. Wir zogen sogar eine kurze Pause unter einem Dach in Erwägung, fanden dann aber, dass es überhaupt keinen Unterschied machen würde, und pedalten weiter. Irgendwann war auch dieser Spuk vorbei. Es wurde wieder heller, der Regen feiner und, man glaubt es kaum, er hörte sogar ganz auf. Dazu bestätigte sich der Verdacht, dass die Sonne und der blaue Himmel bei Regen gar nicht wirklich Abhanden kommen, sondern nur zugedeckt werden. Und ergo irgendwann, früher oder später, auch wieder zum Vorschein kommen werden. Vielleicht nicht so bald, vielleicht eher zögerlich und nur vorübergehend, aber es ist schlussendlich nur eine Frage der Zeit. So auch diesmal. Die Sonne blieb zwar leicht verschleiert und der blaue Himmel scheu, aber sie waren da. Eventuel dank dem fiesen, niederträchtigen Wind, der uns nun ins Gesicht blies und uns den Aufstieg auf den Pass El Perdon noch zusätzlich erschwerte. Sauhund!

Correcto, Camiones fahren langsam, Ciclistas ebenfalls.

So krochen wir also langsam der Berg hoch, wo wir eine dichte Nebelschicht lauern sahen. So schnell kann es gehen und das hoffnungsvolle Wetter ist schon wieder zur Sau. Noch vor der Passhöhe regnete es auch wieder und eine Abfahrt mit vollem Regen im Gesicht ist immer ein mittelmässiger Spass. Immerhin war es bis Pamplona nicht mehr weit, und die Hügel nicht mehr hoch. Schlussendlich, nun schon wieder mit halbwegs trockener Luft, gingen uns die Nebenstrassen endgültig aus. Ein älterer Autofahrer meinte, wir müssten wohl die Autovia nehmen, er würde aber langsam hinter uns fahren. Und tatsächlich, es gab kein Verbot und so flitzten wir die letzten Kilometer nach Pamplona hinunter mit einem vierrädrigen, mobilen Schutzschild hinter uns. Im Zentrum gab es dann sogar Velowege, die sich jedoch schnell als untauglich erwiesen. So wichen wir wieder auf die Strasse aus und fanden nach einem Mal nachfragen die Adresse eines Freundes des Biciclowns, wo wir angemeldet waren.

Ah ja, unsere Schokoladensucht sind wir seit Burgos nicht losgeworden, wir haben aber wegen Kälte und/oder Regen wenig gemütliche Pausen gemacht, und wenn, dann war die Schoggi meistens in der falschen Tasche, d.h. in derjenigen, die ich gerade nicht mit mir unter's Dach genommen habe. Tatsache ist, wir haben beide noch mehr als zwei GROSSE Tafeln Schokolade dabei, was eigentlich ziemlich cool ist:-)

... ... ...

Haben gestern ganz seriös ausgeschlafen, gebloggt, Siesta gemacht und was man an einem Pausentag halt alles so tut. Habe heute Morgen festgestellt, dass sich ein Schaltkabel im fortgeschrittenem Stadium der Zerfransung befindet und habe es geschafft, das auszuwechseln und die Gangschaltung so einzustellen, dass sie zu funktionieren scheint. Der Test auf der Strasse steht aber noch bevor. Haben danach einen Spaziergang entlang der Stadtmauern gemacht und uns über blauen Himmel und Sonnenschein gefreut.

Stadtmauern vom Pamplona.
Yep, es wird Herbst.
Dabei haben wir, wie schon so manches Mal unterwegs, festgestellt, dass es eindeutig Herbst ist. Sieht hübsch aus, die Konsequenzen davon haben wir aber auch schon zu spüren bekommen. Auch hier und jetzt ist es nur in der Sonne warm. Trotzdem fanden wir, dass ein Glacé nach dem Sandwich eigentlich angebracht gewesen wäre, haben aber wieder einmal die Uhrzeit ausser Acht gelassen, dann aber bald gemerkt, dass nun Siesta-Zeit war. Kaum ein Geschäft ist hier nach 14 Uhr offen, alles total tote Hose. Dass das sogar für Heladerias gilt, ist eigentlich komisch. Als Glacégeschäft würde ich während der wärmsten Zeit des Tages ganz gewiss nicht meine Pforten schliessen. So amüsierten wir uns halt über Polizeismarts und die Mini-Demo vor der Stadtverwaltung.

Ist er nicht herzig?
Die Angestellten sind gegen Sparmassnahmen.

Insgesamt ist Pamplona, das auf baskisch den schönen Namen Iruña trägt, eine hübsche Stadt. Und obwohl sie im Staat Navarra und nicht im País Vasco liegt, sei sie die Cuna, sprich der Ursprung oder die Kernzone des Baskenlandes. Es ist hier auch fast alles zweisprachig angeschrieben, hie und da weht eine Ikurriña, eine Basken-Fahne. Die jährliche Stier-Hatz, für die Pamplona in erster Linie bekannt ist, ist natürlich auch allgegenwärtig, insbesondere in Form von Souvenirs für Touris und auf Postkarten. Da wir beide aber nicht wirklich Fans von Stierkämpfen  und ähnlicher "Unterhaltung" sind, haben wir uns dem enthalten.

Montag, 22. Oktober 2012

English Summary No. 13


Alaska Marine Highway (Bellingham – Whittier)

Ok, let’s see whether I’ll ever get another English text done. May 12, when we boarded the MS Kennicott who would take us from Bellingham, WA to Whittier, AK, seem so far away. But I remember it was a sunny day and and as it was a downhill ride from the Oasis to the port, getting there was no problem. Neither was checking-in and soon we had our bikes safely stowed away and found our cabin. Of course, we did some sort of reconnaissance tour through the ship to find out what was where and how to get there. Our expensive little cabin (USD 442 for the cabin, USD 547 per person for transport plus USD 89 per bike bike) felt almost like a prison cell except, of course, that we each had a key. Life on the ship was not going to be super interesting, but having a lot of time and not much to do for a few days was ok. All the above-mentioned prices didn’t include any food at all but as there was a microwave available we had brought microwaveable food to keep us alive.

The ship left on time and after we had passed Vancouver, what was left to see were mountains with snow and hills with forests. The next morning at around 8 am we arrived at the cargo port of Ketchikan and stepped on Alaskan ground for the first time. Unlike the cruise ships we weren’t close to town so we took a bus to see the village. It wasn’t exciting but sort of cute. After two hours we took the bus back. As we knew that from Whittier to Anchorage we would have to cross a tunnel where bikes weren’t allowed, we asked the crew whether they might be willing to help by announcing that two cyclists were looking for a ride through the tunnel. They couldn’t because they feared they would be liable in case there was an accident. Yeah, well, we were still in the states. So we would spend some time talking to people in order to find that ride ourselves.

The next day we arrived in Juneau, Alaska’s capital, but this time we were some 15 miles from town so we didn’t even try to get there. This day we noted that the snow kept coming closer and closer to sea level. In the afternoon the ship left the “inside passage” and cruised through open sea which was sort of bumpy and we all staggered around like drunks. On the morning after Juneau we stopped in Yakutat. At 6 am, so we never bothered to find out anything about the place. All that day we saw, more or less close up, a white mountain range. Beautiful.

On the 5th morning, we got up at 5 am as we would reach Whittier at 6 am. But first we had to find our bikes as they had been moved to make room for cars. I never like it when other people handle my bike and sure enough, they’d put her in such a stupid place that my back pack’s rain cover got torn. At least we had found our hitch and waited outside for our RV to pick us up. The people had said they would turn off the main Highway shortly before Anchorage so we’d planned to ride into town from that spot. Turned out they went to Steward and the turn-off is at around 50 miles from Anchorage. We had no water for such a long stretch and otherwise weren’t prepared for it so we hold out our thumbs again. We were lucky and this time we got dropped off in the outskirts of the city. We found the house of our Warmshower host and spent several fun days there. Later, we took a bus to the Denali National Park and did a 6-hour bus trip inside the park. We saw some Grizzlies, lots of Dall Sheep, Caribous and Willow Ptarmigan. Our host, Sage, also took us to Homer on the Kenai Peninsula which is a very nice place. In the meantime, we’d realized that it would have made much more sense to stay on the ship until Homer and cycle up to Anchorage from there. But well, that idea had come too late. After this trip, we changed houses as Sage needed preparation time for her own upcoming cycling trip to Turkey. Thanks for the fun we had with you, Sage.

Anchorage, AK, to Tok

At Dave’s, we did our last preparations and finally set out in the beginning of June. Dave accompanied us the first day and camped with us at Kepler Bradley Lake Park, a very expensive but not particularly nice campground. In the morning, Dave turned back to Anchorage and we got going west. Thanks a lot Dave, for your help in Anchorage and for your company on the road to Palmer. After Palmer the landscape was nicer as there were fewer towns and houses. We’d noted that everything was very green now while some ten days earlier when we arrived in Anchorage, things were rather brown with the first shots just about appearing. Now, as we cycled up into the Talkeetna Mountains, the season seemed to be turned back and the green was lighter. We made it to Long Lake Recreation Site and got rained at in the evening.

It was still foggy and cold in the morning and all day long. We climbed more and more, saw the Matanuska River and Glacier which was pretty but not overly impressive. It rained heavily in the afternoon and when we arrived at the Eureka Lodge at 7 pm, we wondered whether we should ask for permission to camp. But then we saw how wet and muddy the terrain was and decided to keep going. The lodge was supposed to be on the top, so logically, a downhill stretch should follow. And this actually happened. On the second attempt we found the Little Nelchina Rec Site which had no sign whatsoever. When we pitched the tent the rain had sort of stopped but we had to take water from the puddles in the street as the Little Nelchina River was flooded and all brown. We’d arrived after 8 pm, something that we normally don’t like but it was no big deal because of the long Alaskan spring days.

We got up a little later the next morning and when we started the sun broke through the clouds. We never quite trusted the weather that day but it didn’t rain again. It was mostly gently downhill through endless taiga forests where very little people lived. We arrived in Glennallen in the afternoon, stocked up in the supermarket and found the Northern NightsCampground, a nice place and not too expensive ($ 15) with wifi, free, homemade desserts (only on Mondays and Fridays) and free coffee in the morning.

After Glennallen, the Glen HWY ended at the Richardson HWY. We didn’t like the 15 mile with a lot of traffic and were happier afterwards on the Tok-Cutoff. It was hilly and very green all day with threatening dark gray clouds around us but the sun won the duel. In the afternoon, a car stopped and the driver gave us the card of the Red Eagle Lodge, a place some 9 miles further on that offers camping. For $ 13. That sounded ok after what we knew and we figured we would check it out. We liked it, so we stayed there. Actually, we liked it so much, that we stayed two nights. That gave us one day to just hang out, write blog and watch the rain from inside a cozy house. The showers there were free too and the breakfast we had one day for $ 5 was well worth it.

The next day was hilly a usual, windy, headwindy of course, the same dark green forests and we saw our first black bear. We had our lunch break at a place called Midway Services. They have free coffee and let cyclists sleep in an old bus for free. They say they want to make friends, not money. Very nice people. We kept going, though, for we wanted to make it to Tok the next day. 25 km later we asked at Mentasta Lodge whether we were allowed to camp there and got an ok. And hundreds of mosquitos for company. We were also warned that bears visit often but that night, none came.

It’s some 80 km from Mentasta Lodge to Tok, the last 20 of which flat. We met some other cyclists, saw a moose mother with a baby far away and another moose relatively close to the road. And had some rain showers every now and then. We made it to Tok after a particularly long shower but when we reached the town the sun was out again. In Tok we had a Couchsurfer place to stay where we met the Family Pedaleros German family with a one year old girl, also cycling. They had arrived the day before and had left us the trailer, the place for the guests, and had pitched their tent, which was a very nice gesture. It was neat to talk to other cyclists for longer than a few minutes and Ronia, the girl, was very entertaining. We hadn’t seen many children for a long time. Chip, although we never met you, thanks for letting us stay in your trailer.

Tok to Dawson City, CAN

We stayed two nights in Tok, then set out again. We followed the Alaska HWY for some 20 km, then turned north onto the Taylor HWY. From that minute on it was constantly up and down, although much more up than down. And around us were taiga forests again. Meaning spruce trees as far as you can see, the only change being them alive or burned. And the burned areas were huge. At one point there was no more down, just up, up, up. In the afternoon we realized that we wouldn’t find any water and waved down a trailer. The German couple was very nice and not only gave us lots of water but also two muffins. That night was our first wild camp in North America and we were very careful about not cooking close to our tent and storing all food and smelly items far away. The thing with hanging the bags from a tree was a mission impossible from the beginning: no more trees that far up on the mountain. So we wondered whether, even if no bear finds a bag, they might get ripped open by other animals like squirrels or mice.

Nothing happened to our food whatsoever. The morning was cool but sunny and after a few kms of climbing we enjoyed a long descent, had a flatish stretch and then the good old up and down again. The landscape hadn’t changed a bit, it was still hilly Taiga. Either dark green or black/brown. In spite of the constant headwind we reached the tiny gold mining town of Chicken by around noon, decided we liked the place and as we found a campground, the Chicken Creek RV Park next to the Goldpanner, where cyclists only paid $ 4.99/tent, we decided to stay. As this was going to be our last stop in the US, we spent our last US-Dollars for good food and hung out in the warm sun.

The pavement had ended a few km before Chicken but the gravel road was ok for the next several kilometers. The day began with a sort of long climb and a nice descent into the next valley where they were busy resurfacing the road. Meaning, the nice hard surface got a new layer of gravel which made our lives miserable and dusty. Also meaning that trucks transporting said gravel kept passing us making things even dustier. We climbed the second hill of the day trying to fight armies of mosquitos who could easily fly as fast as we pedaled. The views were cool and so was the air, perfect for cycling. We sped down into another valley and began climbing the next hill. On the top we realized that we had reached some sort of high plateau with endless views of surrounding valleys and lower hills. This is where the road split up, the Taylor HWY going to Eagle, the Top of the World HWY to Dawson City in Canada. That was our direction. It was cloudy by now and we hoped it wouldn’t rain for another while. We made it to the almost non-existing place of Boundary. There used to be a lodge but it’s burned down. The owner still lives there and he let us stay in a small and rustic cabin, for which we were grateful as it began to rain soon. Actually, to pour down. And it didn’t stop until the next evening.

This is not perfectly true. When we got up in the morning it didn’t rain. It was just foggy and wet. Otherwise, we wouldn’t have left the cabin. We didn’t like the dense fog but we still got going. Slowly, we climbed up the last 6 km on a sticky-wet dirt road to the Canadian border. We couldn’t see very far because of the fog and hoped for easy immigration procedures as we didn’t feel like standing around in these cold temperatures. It was easy and fast. There even was some kind of pavement on the Canadian side. Extremely bad pavement though and it didn’t last very long. The road turned out to be rather brutal. Very steep climbs with almost zero visibility. Ok, nobody else saw more than we did and nobody drove fast but it still sucked. Of course, it began to rain soon and the road, more dirt than pavement by then, got even stickier. Up and down we pedaled, around that bend and yet another curve, not knowing when the promised long descent to Dawson City would begin. This highway is well known for its great views, or so some people say. We couldn’t tell, all we ever saw were clouds and rain. And maybe every now and then some distant valleys, but nothing distinctive. At around 8 pm we gave up, pitching the tent next to the road on a patch of gravel. We didn’t even try to hide, who would try to harm us there? At least it didn’t rain anymore.

Another day started, first cloudy and cool and with more up and down. After 12 km the descent down to the Yukon River began. It was cold, fast and great fun. And the sun was shining. We checked out the two CG and decided to stay in the more expensive on that was in town, had more amenities and less mosquitos. We did a few touristy things like a tour to a working gold mine (we got it for free) and a visit to the Slow Rush Kennels that belongs to a New Yorker lady who plans to take part in the next Yukon Quest. We did a lot of shopping and planning for our next adventure, the Dempster Highway.